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Sendung vom 10. Mai 2016: William Shakespeare 1564-1616

Sendung vom 10. Mai 2016

Titel: William Shakespeare 1546-1616

Ich begrüße euch, liebe Hörerinnen von FREIRAD! Am Mikrofon ist wieder Ewald Strohmar-Mauler mit einer neuen Ausgabe von „hinterfragt.“, dem kulturwissenschaftlichen Magazin.

Die heutige Sendung trägt den Titel:

William Shakespeare 1546-1616

Wir gedenken also heute des unglaublichen Genies, welcher 1897 die sich nicht verheddernde Angelrolle erfunden hat und

Moment! 1897? Im Titel steht aber, dass dieser Shakespaere, von dem ich heute erzählen will, bereits 1616 verstorben ist – da kann also etwas nicht stimmen…

[blättern]

Ah, hier: englischer Dramatiker, Lyriker und Schauspieler! Da haben wir den Richtigen!

Ganz England scheint ja im Shakespeare—Fieber zu sein und feiert das 400-jährige Jubiläum seines Todes. Ich habe ja keine Ahnung, warum sich die freuen, dass er tot ist, wo er doch quasi die englische Sprache erfunden hat, wenn mensch so manchen Kommentaren in den diesjährigen Medien glauben möchte. Darauf und noch auf einige andere interessante Dinge rund um Shakespeare werde ich also in dieser Sendung eingehen.

Zuvor jedoch etwas Musik, wie fast immer unter einer Creativ Commons Lizenz stehend.

Und zwar zu Beginn:

Musik:

Amadeus / Arnold Wohler: Shakespeare’s Sonnet No. 1

Teil 1: Überblick

Am 5. Mai 2016 wurde im Foyer des Globe Theatre in London eine Schreibmaschine aufgestellt,1 die irgendwie an die Dechriffriermaschinen im 2. Weltkrieg erinnert. Die Tasten wurden durch Metallkolben ersetzt, von denen weiße Kabel weg führen. Doch in der Walze ist ganz normale Papier eingespannt, auf welches getippt wird.

Und ihr seid jetzt vermutlich genau so gespannt. Nämlich darauf, wer da tippt, und vielleicht sogar noch mehr, was.

Es gibt da nämlich das Infinite-Monkey-Theorem, welches besagt, dass ein Affe, der unendlich lange auf einer Schreibmaschine herumtippt, fast sicher irgendwann die Werke William Shakespeares tippen wird.

Nur der Vollständigkeit halber: »Fast sicher«, so sagt die Wikipedia,2 »ist ein Begriff der Wahrscheinlichkeitstheorie […]. Ein zufälliges Ereignis, das mit Wahrscheinlichkeit eins eintritt, wird fast sicher genannt. Entsprechend heißt ein Ereignis fast unmöglich, wenn die Wahrscheinlichkeit seines Eintretens null ist.« (Zitat Ende)

So eigenartig das klingt, die Wahrscheinlichkeitsrechnung kann es beweisen, und der Erste, der darüber geschrieben hat, war der französische Mathematiker Émile Borel im Jahre 1913. Nur ließ er seinen Affen die Bücher der französischen Bibliotheque National schreiben, das arme Tier.

Gut, dass all die verwendeten Affen nur in Gedanken existieren, denn selbst ein Universum voller Affen würde einige hunderttausend Jahre brauchen, um auch nur ein kleines Bücherl zufällig nachzudichten. Und dann stellt sich ja die Frage, ob das dann gültig ist, denn die sterben ja auch alle irgendwann und müssen ersetzt werden. Und dann bräuchten wir auch ein Universum voller Tierpfleger, um sie zu versorgen. Das wäre zwar die Lösung für die Arbeitsplatz- und auch die Flüchtlingsfrage, aber so läuft das nicht in der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Da gibt es – für mich unverständliche – Formeln statt echter Affen.

Doch ich wollte ja nicht über produktive Pongiden palavern, sondern über Shakespeare. Im Globe Theatre steht also eine enigmatische Installation. Und diese nennt sich »Word by Word: The Complete Tweets!3«. Sinn des Projektes ist es, die Werke Shakespeares nachzutippen, indem ein Computer, der hinter der Schreibmaschine hängt, auf der social media Plattform Twitter nach dem jeweils nächsten Wort sucht und dieses im Erfolgsfall an die Schreibmaschine weitergibt, welche es dann tippt.

Nur hat ja Shakespeare Worte verwendet, die nicht im Wortschatz des durchschnittlichen Twitterianers zu finden sind, wie etwa honorificabilitudinitatibus‹, übrigens das längste Wort, das Shakespeare verwendet hat, oder auch ›kickie-wickie‹, worüber uns das urban dictionary aufklärt: »Witty word for ‚wife‘4«. Falls also ein solches Wort nicht gefunden werden kann, dürfen Twitter-Benutzerinnen aushelfen, indem sie das fehlende Wort, mit einem bestimmten Hashtag versehen, selbst twittern. Also quasi der Wahrscheinlichkeit ein bisserl nachhelfen.

Begonnen wurde also am 5. Mai mit »The Two Gentlemen of Verona«, und mit Stand 7. Mai 5:40pm ist die Affen-Zwitscher-Schreibmaschine mit diesem Werk fertig – das sind erstaunliche 1,81% des Gesamtwerkes von William Shakespeare in ungefähr zwei Tagen. Aktueller Stand zur Zeit der Erstausstrahlung dieser Sendung:

[ergänzen]

Ich würde sagen, das ist wirklich superkallifragilisti… ach, falscher Film!

Gut, dann spiele ich wieder ein Stückchen Musik:

Musik:

CŒDES Pierre-Marie

QUEEN MAB (from Shakespeare’s „Romeo and Juliet“)

07:07

Teil 2: Einblick

Mein Plan für heute war ja, Dinge über Shakespeare zu erzählen, die nicht sowieso alle kennen. Da kam mit die Affenschreibmaschine gerade recht.

Das nächste Thema sind Schauspielerinnen, die ihr vermutlich kennt, und von denen ihr vielleicht nicht vermutet, dass sie auch schon in Shakespeare-Stücken gespielt haben.5 Ich meine, dass Professor X und Magneto aus den X-Men-Filmen, als Sir Patrick Stewart und Sir Ian McKellen, begnadete Shakespeare-Darsteller sind, ist ja bekannt. Und Doctor Who Fans werden auch wissen, dass David Tennant und Catherine Tate gemeinsam 2011 in »Much Ado About Nothing« brilliert haben und auch Billie Piper schon mal auf einer Shakespeare-Bühne zu sehen war.

Doch bei Namen wie Robin Williams, William Shatner, Michelle Pfeiffer, Al Pacino, Mel Gibson, oder Leonardo DiCaprio war ich dann schon erstaunt. Ich meine, Captain Kirk als Hamlet? Ja, tatsächlich hat Shatner seine Schauspiel-Karriere mit Shakespeare begonnen.

Und was ist mit Matrix? Ja, sowohl »Neo« Keanu Reeves, als auch »Morpheus« Laurence Fishburne waren in Shakespeare-Stücken zu sehen, letzterer als Othello. Bei dieser Rolle kommen natürlich gleich Gedanken auf wie »Na klar, wie werden sie einen dunkelhäutigen Menschen schon anders besetzen?« Und umgekehrt?

»Sir Patrick Stewart announces he is going to ‚play Othello as a white man’« war im Juli 2015 in der Daily Mail zu lesen6. Im Jahre 1943 hatte der Bürgerrechts-Aktivist Paul Robeson am Broadway den Othello gegeben und einen Kritiker zu der Aussage veranlasst, kein Weißer solle diese Rolle mehr übernehmen, ist die Diskussion darüber nie wirklich verstummt. Und das, wo im Theater ja heute eh alles erlaubt ist, wo Armani-Anzüge die Renaissance-Gewandung ersetzt haben und viel nackte Haut auf der Bühne ganz normal ist. Jedenfalls will der 75-jährige Patrick Stewart noch den etwa 40 Jahre jüngeren Othello spielen. Da fragt mensch sich dann schon: What would Will say?

Das führt mich zu der Frage, wie eigentlich Will Shakespeare selbst als Mensch so in den Filmen dargestellt wird. Diese Frage zu beantworten, stellte sich in der Recherche als nicht ganz einfach heraus, denn unter dem Suchwort »Shakespeare« zwischen der unüberschaubaren Anzahl an Verfilmungen von Shakespeare-Stücken diejenigen herauszufiltern, die ihn und sein Leben darstellen, ist nicht einfach.Die IMDB7 listet ihn als »Writer« von 1155 Filmen auf, der älteste Kurzfilm »Macbeth« stammt aus 1898, und alleine 25 Filme oder Serien sind mit Produktionsjahr 2016 gelistet. Da hier also nichts zu holen war, hangelte ich mich weiter zu William Shakespeare als »character«. 170 Einträge!, mit so lustigen Titeln wie »Old Bill Through the Ages«.

Wobei unter diesen Einträgen auch sehr viele »Gastauftritte« in Serien zu finden sind, mir fällt hier natürlich Doctor Who ein, aber auch bei den Simpsons hatte Will seinen Gastauftritt.

Und spontan eingefallen wäre mir bei den Spielfilmen natürlich »Shakespeare in Love« aus 1998. Das scheint aber auch der einzig wirklich allgemein bekannte Film zu sein, denn meine Frage haben andere auch gestellt und diese Antwort bekommen. Vermutlich ist es einfach so, dass sich kaum jemand zutraut, sich ernsthaft mit dem Charakter Shakespeares auseinander zu setzen. Zu wenig ist über ihn bekannt, es kann nur Spekulation sein, und wer möchte sich da schon auf die vielen Diskussionen einlassen. Sicherlich, es macht Spaß, sich mit dem viktorianischen England zu beschäftigen, und da kommt mensch nicht um Shakespeare herum – doch als Hauptfigur? Und was in den Vordergrund stellen? Sein Liebensleben, wie bei »Shakespeare in Love«, und eine nicht besonders in die Tiefe gehende Romanze draus machen? Oder doch eher seiner bisexuellen Seite nachzuspüren, ihn beim Verfassen seiner Sonette zu begleiten? Oder sich mit den Schwierigkeiten zu beschäftigen, die das Theater damals hatte, diese vielleicht auch gleich mit aktuellen Kürzungen auf dem kulturellen Sektor, welche anscheinend überall in Europa an der Tagesordnung sind, zu verknüpfen? Oder dem Genie beim Schreiben über die Schulter zu schauen, um herauszufinden, wie er zu seinen gloriosen Wortschöpfungen kam? Oder gar festzustellen, dass es nicht nur einen Shakespeare gab, sondern mehrere, die unter einem Namen schrieben, mit dem »echten« Will als Endredaktion? Oh, Möglichkeiten gäbe es genug. Doch würde ihm das gerecht werden? Wohl kaum…

Musik:

Fili O

Shakespeare’s Sonnets

04:10

Zwischenmoderation

Für alle, die sich erst später zugeschaltet haben:

Hier ist „hinterfragt„, das kulturwissenschaftliche Magazin live auf FREIRAD, dem freien Radio in Tirol! Mein Name ist Ewald Strohmar-Mauler.

Das heutige Thema ist

William Shakespeare 1546-1616

Ich habe ein paar DInge erzählt, von denen ich glaube, dass sie nicht so bekannt sind. Den restlichen Teil der Sendung spiele ich wieder nur Musik, und zwar:

Catherine Corelli

Romeo & Juliet

04:46

Andrea Torti

Modern Shakespeare

06:56

Amadeus

Arnold Wohler: Shakespeare’s Sonnet No. 2

08:41

Amadeus

Arnold Wohler: Shakespeare’s Sonnet No. 3

07:15

Abmoderation

So, aber nun genug hinterfragt für heute. Ich danke euch herzlich fürs Zuhören und hoffe, die Sendung hat euch wieder gefallen.

Und nochmals der Hinweis auf die Internet-Seiten zur Sendung:

Kritik, sowohl negative als auch positive, Wünsche und Anregungen könnt ihr gerne an mich per eMail senden: radio@hinterfragt.at.

Und wer die Sendung nachlesen möchte: die begleitende Website ist zu finden unter hinterfragt.at, dort findet ihr auch alle Links, oder könnt Kommentare zur Sendung abgeben. Ich spiele sowohl das Skript als auch den Mitschnitt so rasch wie möglich, meist noch am Tag nach der Sendung, auf die Website, und den Mitschnitt auch auf das Cultural Broadcast Archive, cba.fro.at.

Außerdem könnt ihr mir auch auf Twitter folgen @hinterfragtAT oder auf Facebook unter hinterfragt.

Das war Ewald Strohmar-Mauler mit der Sendung hinterfragt. Das kulturwissenschaftliche Magazin.

immer am zweiten Dienstag im Monat um 20 Uhr auf FREIRAD, dem Freien Radio Innsbruck, und die Wiederholung am 4. Donnerstag um 9 Uhr Vormittag.

Und nun verabschiede ich mich und wünsche euch noch eine gute Zeit.

Abspannmusik

1 http://www.shakespearesglobe.com/wordbyword und

http://blog.shakespearesglobe.com/post/143888653268/word-by-word-the-complete-tweets-were-excited-to

2 https://de.wikipedia.org/wiki/Fast_sicher

3 https://twitter.com/CompleteTweets

4 http://www.urbandictionary.com/define.php?term=kickie-wickie

5 Quelle: https://www.buzzfeed.com/sedem/52-famous-actors-who-took-on-shakespeare-cjrb

6 http://www.dailymail.co.uk/tvshowbiz/article-3163224/Sir-Patrick-Stewart-m-going-play-Othello-white-man.html

7 http://www.imdb.com/name/nm0000636/

Kommentieren ist momentan nicht möglich.

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