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Archiv für die Kategorie „Rezensionen“

Rezension „Exotische Welten“

Meine erste Rezension in dieser Rubrik hat die Phantastik-Anthologie »Exotische Welten« aus dem O’Connell-Verlag zum Inhalt.

Ich muss vorweg schicken, dass ich mit dem Genre sehr lange Zeit nichts mehr zu tun hatte, da ich in den letzten zwei oder drei Jahrzehnten außer Fachliteratur eher historische und Kriminalromane als Science Fiction gelesen habe, vielleicht noch etwas Fantasy (aber dann auch eher in Richtung Terry Pratchett), und aus dem deutschsprachigen Raum eigentlich fast gar nichts. Über meine Beschäftigung mit Steampunk kam ich dann wieder zurück in die Umlaufbahn der Science Fiction und bewarb mich für ein Rezensionsexemplar der »Exotischen Welten«, weil auch einige mir bekannte Steamers hier mit ihren Geschichten vertreten sind.

 

Es ist natürlich ungleich schwerer, über einen Sammelband zu schreiben als über eine Monographie, denn unterschiedliche Autoren bedeutet auch völlig unterschiedliche Qualitäten der Erzählung. Und wo eine wissenschaftliche Anthologie wenigstens noch inhaltlich Stabilität bietet, weil es um das selbe Thema geht, kann man dies bei Belletristik nicht erwarten, und wohl am allerwenigsten bei dem doch recht umfassenden Genre der Phantastik.

Ich möchte gleich bei diesem Thema verharren: da ich kein Literaturwissenschaftler bin, kann ich kann ich den Begriff der Phantastik an sich lockerer angehen und brauche mich nicht in Definitionen und Analysen verlieren, welche Geschichte aus den »Exotischen Welten« wohl in dieses Genre fällt und welche nicht. Meine Meinung hierzu ist als vor allem die des Lesers (der nebenbei auch schreibt). Als Minimalanforderung an phantastische Literatur möchte ich zumindest etwas Ungewöhnliches, Unerwartetes lesen, egal ob in der Grundkonzeption der »Welt« oder im Handlungsverlauf der Erzählung.

 

Zunächst einige Gedanken zur Anthologie als Gesamtheit, und weiter unten dann einige Anmerkungen zu einzelnen Geschichten.

Der Titel »Exotische Welten« lässt zunächst ja vielleicht an Südsee, Entdecker, Abenteuer im Dschungel denken. Das Cover-Bild drängt die Gedanken dann aber doch in Richtung »ferne Planeten«, auch wenn die Richtung der Anthologie auf dem Umschlag mit keinem Wort angedeutet wird. Was an sich nicht schlecht ist, man kann sich ja überraschen lassen. Und da das Buch anscheinend ohnedies nur als Ebook erhältlich ist, also auch nur online innerhalb einer beschreibenden Seite zu erwerben sein wird, ist der Aspekt, den Umschlag für sich im Buchladen sprechen zu lassen, auch nicht so arg relevant. Andererseits könnte es trotzdem möglich sein, dass der potenzielle Leser sich eine reine Science Fiction Anthologie mit Abenteuern auf fernen Planeten erwartet und dann ob der »exotischen Innenwelten« der eher mit dem Thriller-Effekt oder einem großen psychologischen Fragezeichen agierenden Geschichten enttäuscht wird. Aber dazu müsste er schon sehr einseitig an rein techniklastiger SciFi interessiert sein.

Die Zusammenstellung an sich ist recht gelungen, von der Auswahl der Geschichten her sind eigentlich alle ins Genre passend, außer der letzten («Das Licht Asgards«), die eine, wenn auch kurzweilige, Nacherzählung eines bekannten Mythenstoffs darstellt und nichts Unerwartetes bzw. Neues bietet (wenn man sich in Mythologien auskennt). Eine abwechslungsreiche Durchmischung der Teilgenres Science Fiction, Fantasy und Horror ist mit wenigen Ausnahmen ziemlich gut erfolgt, aber das ist natürlich auch nur subjektiv zu sehen, und manche Geschichte kann man ja auch nicht so eindeutig einordnen. Was ich übrigens durchaus positiv finde, eine gewisse Dekonstruktion sollte ja gerade in der Phantastik unbedingt angestrebt werden.

Ich möchte nicht alle 25 Geschichten einzeln besprechen, doch einige heraus greifen, welche mir speziell aufgefallen sind:

 

Mir als Kulturwissenschaftler gefällt es immer besonders, wenn eine ungewöhnliche Perspektive auf »die Menschheit« eingenommen wird, und »das Feremde« thematisiert wird, wie etwa in »Feierabend« von Karsten Kruschel oder auch in »Schwarze Federn, Rote Stadt« von Stefanie Schuhen.

 

»An einem ganz gewöhnlichen Fronnerstagnachmittag« von Susanne Haberland erinnerte mich zwar von der Erzählung her etwas an gewisse Szenarien in den Römerlagern bei Asterix, ist aber dennoch eine humorvolle und von den Charakteren her faszinierende Geschichte.

 

Auf der Ebene der Virtual Reality agieren »Next Level« von Susanne O’Connell und »Sei Simon oder der König von UN« von Vincent Voss, und bieten interessante, ungewöhnliche Sichtweisen auf unsere Beziehung zum Computer und dessen Einsatzmöglichkeiten.

 

Eine eher klassische Science Fiction Geschichte, spannend und humorvoll, bietet Gertrud Prager mit »Fracht 83«.

 

Sehr originell und auch beklemmend ist »Die Verrückte von der Kronprinzenbrücke« von Torsten Exter. Verschwörungstheoretiker werden sie lieben!

 

»Mission Hoffnung« von Anja Bagus wirkt zunächst wie eher farblos, verdichtet sich aber dann doch zu einer zum Nachdenken anregenden Lösung und explodiert dann im unerwarteten Schlussakkord.

 

Stefan Holzhauers Erzählung »Heraklions Geister« ist jene Geschichte, die mir im ganzen Buch am besten gefallen hat. Klassische Science Fiction, eine spannende Story, durch Vor- und Rückblenden großartig durchkomponiert… und ein klassisches Happy-End – was will man mehr?

Zusammenfassend kann ich also sagen, dass dieser Sammelband einen sehr schönen Querschnitt über das Genre Phantastik mit äußerst originellen Geschichten darstellt.

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Da ich seit Kurzem (also seit meiner Steampunk-Sendung, die mich so tief in die Materie hat hinein schlittern lassen, dass ich mich quasi gezwungen sah, selbst Steampunk-Kurzgeschichten zu schreiben)  auch Autor bin (derzeit naturgemäß noch im Stadium der Vor-Veröffentlichung), und es hier zum guten Ton im Autoren-Netzwerk (in dessen Türbereich ich derzeit  im Begriff bin, meine Fußspitze zu setzen) zu sein scheint, die Werke anderer Korrektur zu lesen und/oder zu rezensieren, werde ich dies fürderhin hierorts auch machen (die Wortwahl ist der anachronometrischen bzw. retrofuturistischen Ausrichtung der Steampunk-Literatur geschuldet).

Wen übrigens meine Geschichten interessieren: hier ist der Link zur begleitenden AEthernetz-Seite.

 

 

(P.S. sollte ich statt der Klammerung doch lieber wieder Fußnoten verwenden?)

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