10. Sendung am 14. Februar 2012: Philosophie und Humor

Ich begrüße euch, liebe Hörerinnen von FREIRAD 105.9, dem freien Radio in Innsbruck! Live am Mikrofon ist wieder Ewald Strohmar-Mauler mit der 10. Ausgabe von „hinterfragt.„, dem philosophischen Magazin. Heute habe ich kein wirkliches Thema, ich habe mir gedacht, es ist ja Fasching, und daher erzähle ich euch einmal Witze. Philosophische Witze natürlich.

Diese tauchen zwar in der philosophischen Literatur nicht auf, also es steht etwa nicht in einem Brief von Marx an Engels: „Übrigens, Fritz, kennst du den schon: Hegel kommt in eine Bar und …“.

Das nicht, allerdings findet man im Internet jede Menge solcher Witze, meist auf Seiten, die uni-nahe sind, also etwa von Studierenden verfasst wurden. Leider sind die wenigsten davon neueren Datums und die Links führen oft in die Leere, weil es die Zielseite seit 2002 nicht mehr gibt. Und, was noch dazu kommt, die meisten Seiten sind auf Englisch. Witze sind auch selten einer oder einem bestimmten Autorin oder Autor zuzuordnen, daher gibt’s auch für diese keine Quellenangaben von mir.

Aber, was es auch heute gibt: Musik, und zwar zum Einstieg…

Musik 1:

Interpretin: Marcia Alexander, Track:He’s a drinker

Beitrag 1: Zum Einstieg

Da es bei mir zum Einstieg ja immer etwas Theorie gibt, möchte ich natürlich auch Witz-Theorien anbieten. Also jetzt nicht falsch verstehen, keine witzigen Theorien, sondern Theorien zum Witz. Man möchte fast sagen: zum Witz an sich.

Wobei, witzige Theorien kommen später auch noch, aber alles der Reihe nach.

Das Wort Witz habe ich in meiner Sammlung philosphischer Lexika nur in Hoffmeisters Wörterbuch der philosophischen Begriffe gefunden. Dort steht, dass das Wort ursprünglich – abgeleitet vom althochdeutschen Wort wizzi für Wissen – die Bedeutung einer „allen Menschen zukommenden ratio“ hatte, also das umfasst, was wir heute eingrenzend als „Mutterwitz“ bezeichnen, die Bedeutung der komischen Geschichte hat es erst im 18. oder 19. Jahrhundert erhalten.

Aber das nur als Bemerkung am Rande, vielleicht auch als Überleitung von meiner vorigen Sendung zum Thema „Was kann ich wissen?“ – also vielleicht heute „worüber kann ich Witze machen?“

Zunächst aber eine Begriffsklärung des Wortes Witz, diesmal nehme ich sie sogar aus der Wikipedia, ohne dass es mir peinlich ist, denn es ist ja schließlich Fasching.

Als Witz bezeichnet man einen kurzen Text […], der einen Sachverhalt so mitteilt, dass nach der ersten Darstellung unerwartet eine ganz andere Auffassung zutage tritt.

Der plötzliche Positionswechsel (die Pointe) vermittelt die Einsicht, dass das Urteil über den Sachverhalt nicht zwingend einer einzigen Auffassung unterworfen ist.

Die Öffnung zu anderen Auffassungen wird als befreiend empfunden. Die zunächst aufgebaute Beklemmung wegen eines vermeintlichen Problems löst sich in befreiendes Lachenauf.

Das Gelächter der Zuhörer zeigt an, dass sie den Positionswechsel erkannt und mitvollzogen haben.1

Na, das hört sich ja eh schon verdammt philosophisch an, oder?. Ich mache ja beim Lesen von philosophischer Literatur immer wieder die Erfahrung, dass plötzlich unerwartete Wendungen eintreten, oder dass mir heimtückisch eine gänzlich andere Auffassung ins Genick hüpft. Ja, und ich gebe es zu, das befreiende Lachen, oder zumindest Lächeln, stellt sich bei mir da auch ein, wenn ich dahinter komme, was gemeint ist.

Witze gibt es ja viele, daher sollte ich sie vielleicht ein wenig sortieren und versuchen, Kategorien heraus zu arbeiten, um auch in dieser Sendung den Anschein der ernsten Wissenschaftlichkeit zu erwecken.

Nein, das war natürlich ein Scherz, schließlich will ich ja endlich mal nachweisen, dass Philosophie nicht ernst ist, sondern so wie das Leben selbst – mal so, mal so.

Die meisten Witze sind relativ einfach gestrickt, klar, wir wollen ja lachen und nicht etwa eine literarische Höchstleistung bewundern.

Witze bestehen also eigentlich aus drei Teilen:

In der Einleitung werden der Aufbau der Szene und die handelnden Personen kurz dargestellt. Dann wird die Handlung aufgebaut (philosophisch gesprochen, werden die Prämissen aufgezeigt) und am Ende folgt die Pointe (oder eben philosophisch, die Konklusion), mit der man nicht gerechnet hat, weil sie sich eben gerade nicht logisch aus dem vorher gesagten aufbauen lässt – denn es fehlen uns wesentliche Prämissen.

Beispiel:

Kommt ein Mann zum Arzt. „Herr Doktor, immer wenn ich Kaffee trinke, habe ich ein Stechen im linken Auge“ – Darauf der Arzt: „Dann nehmen Sie doch den Löffel aus der Tasse!“

Das Szenario ist einfach: Arztpraxis, Arzt, Patient. Auch die Vorgabe ist einfach: der Mann hat Schmerzen beim Kaffee trinken. Wir haben aber nicht gehört, wie der Mann seinen Kaffee zu trinken beliebt, daher fehlt uns in dem Bild, das wir beim Hören der Erzählung vor unserem geistigen Auge aufbauen, ein wesentlicher Faktor: nämlich der Löffel, der in der Tasse geblieben ist und daher dem Mann ins Auge fährt. Vielleicht haben wir ja kurz über mögliche Ursachen des Stechens gegrübelt, allerdings nur sehr kurz, denn die Auflösung folgt ja sogleich, ein Umstand wird enthüllt, der uns nicht eingefallen wäre, und daher lachen wir.

Witze – so stehts in der Wikipedia2

finden ihre Sujets in allen Bereichen, die mit Geboten zu ernsthaftem Verständnis, Mitgefühl, menschlicher Wärme und Achtung ausgestattet sind.

Sprachwitze erlauben es, der Sinnbedeutung der Sprache selbst nicht länger ernst gegenüberzustehen.

Sex-Witze erlauben es, dem mit Tabus und der Aufforderung zu Intimität und Mitgefühl belegten Bereich mit Weigerungen des eingeforderten Ernstes zu begegnen.

Politische Witze erlauben es, einem politisch repressivem Regime mit einer Verweigerung des eingeforderten ernsthaften Respektes zu begegnen.

Witze über Krankheit und Tod gedeihen im schwarzen Humor in den Feldern, die mit letzter Konsequenz Ernst einfordern.

Ui, eine sehr ernste Liste, der wir unbedingt Respekt entgegen bringen sollten. Doch – die philosophischen Witze fehlen in dieser Liste! Und die religiösen ebenfalls, bei denen man sich über Gott und sein Bodenpersonal lustig machen kann. Und die Judenwitze, Negerwitze, die „Alle Kinder“-Witze und alles andere politisch unkorrekte und grausliche Zeug.

Apropos politisch: einen muss ich erzählen:

„Ein Kabarettist betritt zur Zeit des Nationalsozialismus die Bühne mit einem Hitlerbild, sucht einen Platz, um es an die Wand zu hängen, stellt es dann auf dem Boden ab und überlegt endlich laut: „Man weiß nicht, ob man ihn aufhängen oder an die Wand stellen soll“3

So, genug Theorie, sonst krame ich noch Sigmund Freud heraus, anstatt zu philosophieren! Daher jetzt wieder ein wenig Musik:

Musik 2:

Interpretin: Original Music from Goa.India, Track: Viva Carnival

Beitrag 2: Philosophische Witze – Beispiele, Teil 1

So, jetzt geht’s wirklich los mit den Philosophie-Witzen.

Im Internet4 habe ich z.B. den Satz gefunden:

Das ganze Konzept der Philosophie funktioniert so: Man beginnt mit etwas, das zu simpel ist, um es zu behaupten, und endet mit etwas, das zu paradox ist, um es zu glauben.

Der Satz steht allerdings als erster auf einer Seite mit Philosophenwitzen, es stellte sich mir also die Frage, ist der Satz ernst gemeint, quasi als analysierender Einstieg ins Thema, oder ist er selbst schon der erste Witz?

Nehmen wir mal letzteres an und analysieren wir: die Einleitung sagt uns, dass es um das Konzept der Philosophie geht. Personen kommen leider keine vor, das macht das Ganze schon suspekt, denn wenn es um Personen geht, kann’s ja nicht so kompliziert werden, oder? Aber wenn da behauptet wird, so mirnix-dirnix das Konzept der Philosophie entschlüsseln zu können? Na schauen wir weiter: Man beginnt mit etwas, das zu simpel ist, um es zu behaupten – ist als Hauptteil der Geschichte ein wenig dünn, allerdings die Pointe, dass das Ende etwas ist, was zu paradox ist, um es zu glauben, finde ich ganz gelungen. Zumindest ein zustimmendes Nicken hat der Satz verdient. Na ja.

Zusätzlich zu den allgemeinen Witz-Kategorien, von denen ich einige ja schon erwähnt habe, sollte man für die philosophischen Witze noch zwei Besonderheiten hervor heben:

Manche philosophischen Witze behandeln bekannte Sätze eines speziellen Philosophen, z.B. das „cogito ergo sum“ von Descartes, aber eine Vielzahl sind einfach ontologische Vernünfteleien, handeln also vom Sein in allen möglichen Facetten. Das Wort „vernünfteln“ habe ich übrigens von Kant, und wenn ich dann zu den Beispielen für die ontologischen Witze komme, werdet ihr vermutlich verstehen, warum das Wort hier passt.

Apropos Descartes. nach einer Seite im Internet sind die drei bekanntesten philosophischen Sätze 5 folgende:

„Ich weiß, dass ich nichts weiß“, von Sokrates

„Ich denke, also bin ich“ , von Descartes

und

„Gott ist tot“, von Nietzsche

In Wahrheit lauten diese Sätze aber so:

Sokrates: „Denn von Weisheit kann ich nicht die geringste Spur in mir finden“. 6

Descartes: „… dass dieser Satz: ‚Ich bin, ich existiere‘, so oft ich ihn ausspreche oder in Gedanken fasse, notwendig wahr ist.“ 7

Und der Satz von Nietzsche, aus seinem Werk „Die fröhliche Wissenschaft“: „Das größte neuere Ereignis, dass ‚Gott tot ist‘, dass der Glaube an den christlichen Gott unglaubwürdig geworden ist, beginnt bereits seine ersten Schatten über Europa zu werfen.“8 Soviel also zu der Authentizität mancher Zitate.

Das aber nur nebenbei, jedenfalls gibt es zu Descartes „Ich denke, also bin ich“ folgenden Witz:

René Descartes sitzt in einer Bar an der Theke. Der Barmann fragt ihn: „Möchten sie noch ein Bier, Monsieur Descartes?“ Descartes überlegt kurz, antwortet „Hm, ich denke nicht.“ und verpufft.

Oder, hier ein Sarte-Witz:

Jean-Paul Sartre sitzt in einem französischen Café und korrigiert seinen Entwurf ‚Das Sein und das Nichts‘.

Er sagt zur Kellnerin, „Ich möchte eine Schale Kaffee, aber bitte ohne Sahne.“

Die Kellnerin antwortet, „Monsieur, leider haben wir keine Sahne mehr. Wie wäre es mit einem Kaffee ohne Milch?“

Zumeist auf Toilettenwänden finden man den kurzen Witz „Gott ist tot“- Nietzsche, „Nietzsche ist tot“ – Gott, aber den kennt vermutlich eh jede und jeder von euch. Andere Witze über Philosophen sind aber leider etwas rar, bzw. gibt es sie hauptsächlich als Bilderwitze, die sind dann leider weniger Radio-tauglich.

Allgemeinere Witze über „die Philosophen“ gibt es aber natürlich schon, wie z.B. diesen:

Regt sich der Dekan über die Physiker auf:“ Immer wollt Ihr neue teure Laborausstattungen haben. Nehmt euch doch mal ein Beispiel an den Mathematikern, die brauchen nur Papier, Bleistifte und Radiergummis. Und die Philosophen sind sogar noch besser, die wollen noch nichtmal Radiergummis“.

Oder jenen:

Ein Philosoph rempelt gedankenverloren einen Passanten an und geht gedankenverloren weiter.

Da ruft ihm der Passant nach: „He, für eine Entschuldigung sind Sie wohl viel zu doof?“ Nun dreht sich der Philosoph, der etwas schwerhörig ist, um und fragt nach: „Was bin ich?“ Darauf wiederholt der Passant provokativ gedehnt: „viel – zu – doof!“

Nachsichtig lächelnd belehrt ihn der Philosoph: „Guter Mann, das heißt: Phil – o – soph!“

Diese Witze geben also typische Gemeinplätze wieder, an die man im Zusammenhang mit Philosophen denkt. Manchmal sind diese wohl auch zutreffend, doch hoffentlich nicht immer…

Nun aber wieder ein Stückchen Musik, und zwar…

Musik 3:

Interpretin: Laufer, Track: Y is that

Zwischenmoderation:

Für alle, die sich erst später zugeschaltet haben:

Hier ist „hinterfragt„, das philosophische Magazin live auf FREIRAD 105.9, dem freien Radio in Innsbruck! Mein Name ist Ewald Strohmar-Mauler mit philosophischen Gedanken zu aktuellen Themen.

Der heutige Beitrag trägt den Titel: Philosophie und Humor.

Das heißt, heute erzähle ich philosophische Witze und analysiere sie auch ein bisschen, aber nicht allzu sehr.

Beitrag 3: Philosophische Witze – Beispiele, Teil 2

Von den Witzen über Philosophen kommen wir jetzt zu den Witzen mit philosophischem Inhalt.

Ich würde da mal grob in zwei Gruppen unterteilen: Witze, die von Sachverhalten handeln, welche typische Themen der Philosophie sind, hier hauptsächlich der Ontologie; und die Wortwitze bzw. um ein Wort Wittgensteins zu verwenden, Sprachspiele. Wobei Wittgenstein mit diesem Wort eher weniger an Scherze gedacht hat, sondern eher an das Spielen mit der Sprache, also an Gedankenexperimente, um die Bedeutung der Sprache für das praktischen Leben zu unterstreichen. Aber ich denke, wenn man nicht-ernsthaft mit der Sprache spielt, kann man sehr viel mehr Dinge heraus finden, darum meine ich ja auch, dass Philosophie nicht mit bitter ernster Miene betrieben werden darf, sondern Spaß machen soll.

Aber jetzt zum ersten Beispiel des ontologischen Witzes:

A: „Angenommen, ich habe 10 Äpfel, du nimmst 10 weg. Wie viele bleiben dann übrig?“

B: „Keiner.“

A: „Falsch, alle 10! Du hast sie ja nur weggenommen, nicht aufgegessen. – Aber angenommen, du isst alle 10 auf. Wie viele bleiben dann übrig?“

B: „Keiner.“

A: „Falsch: Keiner kann nicht übrig bleiben, da er ja keiner ist. Daher müssen alle übrigbleiben, nur nirgends!“

 

Wenn ihr jetzt gelacht habt, dann vermutlich, weil man das bei einem Witz eben so macht. Wenn ihr allerdings nicht gelacht habt, dann vermutlich, weil sich das Verständnis bei diesem Dialog erst mit Verzögerung einstellt, er benötigt einige Zeit zum sickern, ist also ein so genannter Sicker-Witz. Das ist so eine Eigenschaft der ontologischen Witze, oder der Ontologie überhaupt, dass sie mit unserer Alltagserfahrung nur schwer zusammen gehen, wer denkt schon im Alltag über das Sein nach. Witze aber leben davon, dass man den Scherz in ihrer Pointe mit nichts als dem alltäglichen, intuitiven Wissen erkennen kann.

 

Vor dem nächsten Witz daher schnell einen Satz von Georg Wilhelm Friedrich Hegel aus seiner Wissenschaft der Logik:

Die, welche auf dem Unterschiede von Sein und Nichts beharren wollen, mögen sich auffordern, anzugeben, worin er besteht.

 

In weiterer Folge stellt er die Überlegung an, dass das reine Sein und das reine Nichts identisch seien. Und das hört sich ja für uns dann doch etwas seltsam an, was uns zum nächsten Witz bringt:

 

Im Nervenkrankenhaus trifft ein Patient, der sich einbildet, nicht zu sein, keinen Patienten. Da fragt er keinen Patienten: „Ich bin nicht und du?“ Darauf antwortet kein Patient: „Ich bin.“ Der Patient empört sich: „Was bildest du dir denn ein?“

 

Und noch ein letzter, zur Stützung der Theorie, dass es das Nichts gar nicht gibt:

 

Wenn von 21 Schülern 25 aus dem Klassenzimmer gehen, müssen 4 zurück, damit das Zimmer leer ist.

 

Doch jetzt von den ontologischen Witzen zu den Vernünfteleien und Sprachspielen:

 

In der Studenten-WG, beim Abendessen.

Typ 1: Du, Hans, dein Auto ist kaputt. Es hat Wasser im Vergaser.

Typ 2: Wasser im Vergaser? Das ist doch lächerlich!

Typ 1: Ich sag dir: Das Auto hat Wasser im Vergaser!

Typ 2: Geh, Michl, du weißt doch nicht mal, was ein Vergaser ist! Ich werde das mal überprüfen. Wo ist das Auto?

Typ 1: Im Teich vom Stadtpark.

Das ist ein Witz nach dem klassischen Schema, und fast gar nicht philosophisch, er gehört wohl in den Bereich der Lebensphilosophie, das ist jene Disziplin, die sich mit dem intuitiven Wissen im Gegensatz zum klassischen, wissenschaftlich überprüfbaren Wissen beschäftigt. Aber eigentlich habe ich ihn nur erzählt, weil er auch in einer Witze-Sammlung unter der Überschrift Philosophie zu finden war und ich ihn für ganz gut halte. Nach diesem Exkurs über meine Recherche-Methoden jetzt aber zum nächsten Witz:

 

Ein Bursch hat seine erste Verabredung mit einem Mädchen, nur hat er keine Ahnung, worüber er mit ihr reden soll. Also fragt er seinen Vater um Rat, der antwortet: „Sohn, es gibt drei Themen, die immer hinhauen: Essen, Familie und Philosophie.“

Der Bursch macht sich also auf den Weg und geht mit seiner Verabredung in eine Eisdiele. Dort sitzen sie sich eine Weile schweigend mit ihren Eisbechern gegenüber, während der Bursch immer nervöser wird. Schließlich erinnert er sich an den Rat seines Vaters und versucht es mit dem ersten Thema, dem Essen: „Magst Du Pfannkuchen?“

Das Mädchen antwortet „Nein.“ und das Schweigen setzt sich fort.

Nach einigen Augenblicken greift der Bursch den zweiten Vorschlag seines Vaters auf, das Thema Familie: „Hast Du einen Bruder?“ Und wieder sagt sie „Nein.“ Und wieder herrscht Stille.

Schließlich spielt der Bursch seinen letzten Trumpf aus und geht zur Philosophie über: „Wenn du einen Bruder hättest, würde er Pfannkuchen mögen?“

Ich habe leider kein Theorem gefunden, dass zu Pfannkuchen passt, daher gehe ich gleich weiter zu einem netten Sprachspiel:

„Was geschieht,“ erkundigt sich der Pfarrer in der Religionsstunde., „wenn Du eines der 10 Gebote brichst?“

Eines der Kinder meldet sich nach kurzem Überlegen und meint: „Na, dann sind’s eben nur noch noch neun …“

Oder ein Beispiel für die paradoxen Witze, bei denen sich jedem Logiker die Nackenhaare aufstellen:

Frage: Was ist der Unterschied zwischen einer Krähe?

Antwort: Es gibt keinen, denn beide Beine sind gleich lang.

Besonders das rechte.

Jetzt aber wieder ein wenig Musik zur Erholung…

Musik 4:

Interpretin: Thiaz Itch, Track: Psyko Tyko

Beitrag 4: Wissenschaftlicher Witz und seltsame Theorien

Nun komme ich zum Bereich „Wissenschaftlicher Witz und seltsame Theorien“. Als Vorbemerkung muss ich darauf hinweisen, dass entgegen meiner üblichen Praxis die weibliche Form Personen bezeichnender Substantive heute ausfallen muss, da ich die Witze aus dem Internet kopiert habe und es echt mühsam gewesen wäre, gefühlte 800 Bezeichnungen umzugendern. Aber da die handelnden Personen in den Witzen meist eh nicht so gut weg kommen, denke ich, dass die Damen wohl nicht so traurig darüber sein werden, wenn sie mal nicht genannt werden, oder?

Die Wissenschaften sind ja bekanntlich in manchen Punkten sehr verschieden, und so spiegeln sich auch diese Unterschiede im Witz wider:

 

Physik ist wie in einem dunklen Raum mit verbundenen Augen eine schwarze Katze fangen zu wollen.

Philosophie ist wie in einem dunklen Raum mit verbundenen Augen eine schwarze Katze fangen zu wollen, die es nicht gibt.

Theologie ist wie in einem dunklen Raum mit verbundenen Augen eine schwarze Katze fangen zu wollen, die es nicht gibt und zu rufen: „Hab sie!“

Apropos Katze: der Kybernetiker Norbert Wiener meinte:

Das beste Modell für eine Katze ist eine Katze. Möglichst dieselbe Katze.

Es gibt aber auch noch andere Forschungsfelder als Katzen, z.B. … naja, etwa Schafe:

Ein Ingenieur, ein experimenteller Physiker, ein theoretischer Physiker und ein Philosoph wandern durch Schottland. Also sie die Spitze eines Hügels erreichen, sehen sie auf der Spitze eines anderen Hügels ein schwarzes Schaf.

Da sagt der Ingenieur: „Was sagt man dazu, die Schafe in Schottland sind schwarz.“

Verbessert ihn der experimentelle Physiker: „Sagen wir lieber, es gibt unter anderem auch schwarze Schafe in Schottland.“

Meint der theoretische Physiker: „Legen wir uns lieber nur darauf fest, dass zumindest ein Schaf in Schottland schwarz ist.“

„Na ja“, sagt da der Philosoph, „auf einer Seite zumindest…“

Oder, einer aus der beliebten Reihe der Glühbirnen-Witze:

Wie viele Philosophen braucht man, um eine kaputte Glühbirne auszuwechseln?

Kommt darauf an, wie man „auswechseln“ definiert.

Eine andere Antwort:

47. Einer wechselt die Glühbirne und die anderen diskutieren darüber, ob das wirklich so passiert ist.

Oder, noch besser:

Keinen. Die Glühbirne ist nicht. Eine Glühbirne glüht nämlich, um Licht abzustrahlen. Wenn sie kaputt ist und kein Licht mehr abstrahlt, dann ist sie keine Glühbirne mehr.

In der Praxis kommen wir Philosophinnen, und vermutlich auch diese Sendung, vermutlich so rüber:

Wie viele Philosophen benötigt man, um eine kaputte Glühbirne auszuwechseln?

Das ist eine gute Frage.

Versuchen wir doch zunächst einmal, uns Klarheit über das Licht als solches in seiner natürlichen, aber auch in seiner symbolischen Bedeutung zu verschaffen, danach werden wir einen kleinen Exkurs durchführen, in dem wir über das Wesen der Glühbirne und ihre Vergänglichkeit nachdenken, usw …

Aber auch spezielle Disziplinen werden hier bedacht:

Wie viele Epikureer braucht man, um eine kaputte Glühbirne auszuwechseln?

Keinen, sie sind zu sehr damit beschäftigt, die Dunkelheit zu genießen.

Wie viele Existentialisten braucht man, um eine kaputte Glühbirne auszuwechseln?

Zwei. Einer betrauert die Dunkelheit, während der zweite etwas anderes als Licht neudefiniert.

Wie viele Hegelianer braucht man, um eine kaputte Glühbirne auszuwechseln?

Zwei. Einer steht an diesem Ende des Zimmers und behauptet, dass es nicht dunkel sei. Der andere steht ihm gegenüber und sagt, dass wahres Licht unmöglich ist. Daraus entsteht eine Synthese, die die ganze Arbeit erledigt.

Wie viele Journalisten benötigt man, um eine kaputte Glühbirne auszuwechseln?

80. Einen, der die Glühbirne auswechselt, und 79 wollen auf die Gästeliste.

Ups, der gehörte da gar nicht her!

Jetzt aber genug von den Birnen. Wer aber noch mehr davon will, findet einen Link9 zu weiteren Glühbirnen-Witzen auf der Seite zur heutigen Sendung auf hinterfragt.at, sobald sie veröffentlich ist.

Ich wollte eigentlich noch einige seltsame Theorien beleuchten und anderes, was unter die Rubrik „wissenschaftlicher Witz“ fällt. Die Wikipedia10 stellt fest, dass es sich hierbei zumeist um Insiderwitze einer wissenschaftlichen Community handelt und nennt fiktive Personen, Lexikon-Artikel über fiktive Dinge oder Gegebenheiten und sogar veröffentlichte wissenschaftliche Artikel, die aber Scherzarbeiten sind, z.B. über das Zähneputzen aus ökonomischer Sicht. Interessanter Weise sind viele der genannten Beispiele aus dem Bereich der Informatik, was zweierlei bedeuten kann: entweder werden die Arbeiten in diesem Bereich weniger überprüft, oder es versteht eh keiner mehr, worum es geht, und die Artikel werden einfach durchgewunken. Leider konnte ich keinen philosophischen Scherzartikel finden, so kann ich auch nicht daraus zitieren.

Was ich aber durchaus präsentieren möchte, ist eine Geschichte aus Platons Gastmahl, wo er den Komödiendichter Aristophanes folgende Geschichte erzählen lässt (in meinen Worten):

Ursprünglich gab es drei Geschlechter von Menschen, ein männliches, das von der Sonne stammt, ein weibliches, von der Erde, und ein gemischtes, das vom Mond abstammt. Diese Menschen waren aber kugelförmig und hatten je vier Hände und Füße, zwei entgegengesetzte Gesichter auf dem Kopf, sie waren auch sehr schnell und stark. Daher fürchteten die Götter, dass sie zu überlegen werden könnten und Zeus teilte sie in zwei Hälften. Die Menschen waren aber begierig, wieder zusammen zu wachsen und umschlangen einander. Weil sie aber so alles andere vernachlässigten und zu verhungern drohten, musste Zeus wieder eingreifen und versetzte die Geschlechtsteile nach vorne, damit sie sich wenigstens so vereinigen konnten.

Ich gehe davon aus, dass Platon selbst nicht der Meinung war, dass es sich tatsächlich so zugetragen hat, auch Aristophanes nicht – vielleicht hatte dieser ja tatsächlich eine solche Geschichte zum Besten gegeben, zuzutrauen wäre es ihm ja, wenn man seine Stücke kennt.

Aber, die Geschichte hat in den Jahrhunderten trotzdem einige Leute zu Spekulationen über gleichgeschlechtliche Liebe und Neigung zum Ehebruch angeregt.

Und, sie eignet sich auch bei Hochzeitsansprachen, wenn man illustrieren will, dass wieder mal zwei Teile einer Kugel zusammen gefunden haben…

Musik 5:

Interpretin: Project System 12, Track: Who am I and if how many

Beitrag 5: Fazit

An dieser Stelle sollte eigentlich mein Fazit sein, allerdings tue ich mir da heute natürlich etwas schwer.

Soll ich postulieren, dass Philosophen eh witzig sind? Oder dass man über Philosophie und Philosophen lachen kann / soll?

Da erzähle ich doch lieber noch von einigen Dingen, auf die ich bei der Recherche noch so gestoßen bin:

z.B. habe ich die Tatsache heraufgefunden, dass bei den Trägerinnen des Ig-Nobelpreises – also des Preises für die nutzlosesten und skurrilsten Erkenntnisse, jährlich vergeben von der Harvard University- keine einzige Philosophin, kein einziger Philosoph dabei sind. Doch vielleicht ist ja in unserem Gebiet Skurrilität eher eine Notwendigkeit als ein Übel?

Hierzu passt vielleicht ganz gut: ein Projekt11 von Denis Robinson von der University of Auckland, der sich zur Aufgabe gemacht hat, wichtige philosophische Erkenntnisse in Sätzen zu formulieren, die nur aus Worten mit einer einzigen Silbe bestehen.

Ein anderes Fundstück ist eine in der Geschichte der Philosophie in verschiedener Art immer wieder aufkommende interessante Frage – das sogenannte Allmachtsparadoxon:

„Kann ein allmächtiges Wesen einen so schweren Stein schaffen, dass es ihn selbst nicht heben kann?“ oder kurz:

„Kann ein allmächtiges Wesen etwas schaffen, das seine Allmacht begrenzt?“

Denn wenn es das kann, ist es nicht mehr allmächtig, wenn es es nicht kann, gibt es keine Allmacht.

Gut, das war jetzt weniger lustig, und würde auch viel nicht lustiger werden, wenn man es in eine Geschichte kleidet. Kommt der Petrus zu Gott Vater und sagt: Du, Chef, kannst du einen Stein erschaffen, den du nicht mehr heben kannst? Oder so.

Wer allerdings gut Philosophie in seinen Kabarett-Programmen verarbeiten kann, ist Günther Paal, bekannt als Gunkl. Dessen Programme sind ja sehr zu empfehlen, sie sind bekanntlich extrem philosophisch, oder extremphilosophisch, wenn man will. Gut, dass er ab und zu im Treibhaus auftritt…

Zum Abschluss muss ich noch unbedingt einen meiner jährlich rhtythmisch wieder kehrenden Kalauer, äh, ich meine ein Sprachspiel, loswerden, heute erstmals im Radio:

Heute ist zwar nicht Faschingsdienstag, aber Valentinstag. Was ich ja dabei nicht verstehe: wieso ist der Valen-dienstag nicht immer – so wie dieses Jahr – an einem Dienstag? Ostermontag ist ja auch immer an einem Montag…

Abmoderation:

So, nun sage ich wie immer an dieser Stelle: genug philosophiert bzw. gescherzt für heute. Ich danke euch herzlich fürs Zuhören und hoffe, die Sendung hat euch bei Zuhören soviel Spaß gemacht wie mir beim Zusammenstellen der Texte.

Wie immer der Hinweis die Internet-Seiten zur Sendung:

Kritik, sowohl negative als auch positive, Wünsche und Anregungen könnt ihr gerne an mich per eMail senden: radio@hinterfragt.at.

Und wer die Sendung nachlesen möchte: die begleitende Website ist zu finden unter hinterfragt.at, dort könnt ihr auch Kommentare zur Sendung abgeben. Außerdem könnt ihr mir auch auf Twitter folgen @hinterfragtAT oder auf Facebook unter hinterfragt.

Und nun verabschiede ich mich und wünsche euch noch eine gute Zeit.

Das war Ewald Strohmar-Mauler mit der Sendung hinterfragt. Das philosophische Magazin live auf FREIRAD 105.9, dem Freien Radio in Innsbruck.

Abspannmusik:

Interpretin: Vegaproject, Track: Carnival

1http://de.wikipedia.org/wiki/Witz

2a.a.O.

3Quelle: Wikipedia, a.a.O.

4unipedia.uni-koblenz.de/index.php?title=Philosophenwitze

5www.gavagai.de/themen/HHP38.htm

6Apologie 21.

7René Descartes. Meditationen über die Grundlagen der Philosophie. Zweite Meditation, 18.

8Friedrich Nietzsche. Die fröhliche Wissenschaft. 343

9http://www.zitate-welt.de/witze/gluehbirnen.html

10http://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftlicher_Witz

11näheres hier: http://fragments.consc.net/djc/2005/02/phil_in_words_o.html

 

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