16. Sendung vom 14. August 2012: Plato and a Platypus walk into a bar…

Ich begrüße euch, liebe Hörerinnen von FREIRAD 105.9, dem freien Radio in Innsbruck! Am Mikrofon ist wieder Ewald Strohmar-Mauler mit der 16. Ausgabe von „hinterfragt.„, dem philosophischen Magazin, heute mit dem Thema: Plato and a Platypus walk into a bar

Aufgrund der sommerlichen Hitze möchte ich euch heute nur ein leichtes Programm anbieten: ich entnehme einige der interessanten Betrachtungen des Buches „Plato and a Platypus walk into a bar…“, also „Platon und ein Schnabeltier gehen in eine Bar…“, von Thomas Cartcart und Daniel Klein und packe sie zwischen viel Musik.

Übrigens, wer die deutsche Version des Buches besitzt und die Witze suchen will, um mitzulesen: für diese Sendung habe ich die Witze schnell selbst übersetzt bzw neu erzählt, weil ich mir die deutsche Ausgabe des Buches nicht auch kaufen wollte und die hiesige Universitätsbibliothek hat natürlich kein Exemplar davon – wie übrigens die meisten österreichischen Universitätsbibliotheken, was man auch als Hinweis darauf deuten kann, dass in Österreich die Philosophie als humorlose trockene Wissenschaft gehandhabt wird.

Ein weiterer Beweis dafür ist ein kürzlich auf Youtube aufgetauchtes Video, in dem ein frustrierter Spaßvogel oder übermotivierter Aktionskünstler in einer Vorlesung auf der Universität Wien bei Professor Liessmann seine Magisterarbeit verbrennt, um gegen oder für irgendwas, das mir leider entfallen ist, zu protestieren. Die Anwesenden, meist grauhaarig, buhten ihn aus, und das wohl nicht nur, weil er die erbetenen fünf Minuten um das Doppelte überzogen hatte. Ich jedenfalls habe über die Aktion gelacht, auch wenn mir, wie gesagt, ihr Sinn verborgen geblieben ist.

Also, Philosophie ist in Österreich humorlos. Das muss sich ändern, darum mache ich auch (schon wieder!) eine Sendung mit philosophischen Witzen. Und mit Musik.

Und damit geht es auch los, und zwar ….

Musik 1:

Interpretin: Epic Soul Factory, Track: LA BÚSQUEDA DE IANNA, Länge 02:40

Beitrag 1: Einstieg

Das Buch „Plato and a Platypus walk into a bar…“ beginnt mit Marx, allerdings nicht, wie vielleicht erwartet, mit Karl, sondern vielmehr mit Groucho Marx und seinem berühmten Zitat “ Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere!“

Daran, sowie natürlich auch am Titel des Buches, kann man unschwer erkennen, dass hier die Philosophie nicht in ernster Weise gelehrt, sondern durch eher heitere Betrachtungen, man könnte auch sagen, durch Witze, vermittelt wird. Tatsächlich finden sich hier Witze zu den üblichen Disziplinen der Philosophie, nämlich Metaphysik, Logik, Erkenntnistheorie, Ethik, Religionsphilosophie, Sprachphilosophie, politische Philosophie, und so weiter. Wobei ja philosophische Erkenntnisse durchaus auch mindestens eine Eigenschaft mit den Witzen gemeinsam haben, nämlich diesen besonderen Aha-Effekt, der sich auch bei einer guten Pointe einstellt.

Die Pointe gehört natürlich an den Schluss des Witzes, aber dazwischen darf sich auch nicht allzu viel Text befinden. Darum hat es mich auch etwas verwundert, dass die Geschichte, die den Titel erklärt, erst am Ende des Buches erzählt wird. Ich möchte sie allerdings gleich am Anfang loswerden, weil sie nicht auf dem Inhalt des restlichen Buchs aufbaut, sondern, wie alle Witze oder Geschichten hier, ohnehin für sich allein steht. Einzige Voraussetzung ist eine geringe Kenntnis der Philosophie, und die sollten regelmäßige Hörerinnen dieser Sendung ja bereits haben…

Für alle anderen: der folgende Witz spielt auf das bekannte Höhlengleichnis in Platons Dialog Politeia an. Hierbei geht es um die Wahrnehmung eines Menschen, der in einer Höhle lebt und von der Außenwelt nur die Schatten der Menschen, Tiere und Dinge sieht, die sich oben am Höhleneingang vorbei bewegen.

Also, hier der Witz dazu, sozusagen der Titelwitz:

Platon und ein Schnabeltier gehen in eine Bar und setzen sich an den Tresen. Der Barkeeper schaut Platon fragend an. Platon meint trocken: Was willst du machen, in der Höhle hat sie einfach besser ausgesehen…

Dieser Witz ist also ein Beispiel aus der Kategorie „Erkenntnistheorie“, mit diesen fülle ich jetzt mal die Einleitung zur Sendung auf, weil die Erkenntnistheorie für so etwas weitaus besser geeignet ist als das, was uns in dem Schnabeltier-Buch zu Beginn präsentiert wird: Metaphysik! Ich meine, wer erwartet tatsächlich bei einem Witzbuch als Einstieg die Frage, nach dem, was hinter allem steckt? Obwohl, die Witze dazu sind gar nicht so übel, wenn auch teilweise mehr religiös als metaphysisch – vermutlich haben da die Autoren als Amerikaner einen anderen Sinn dafür als wir hier in Mitteleuropa.

Aber kennt ihr den:

Der kleine Maxi fragt seinen Vater: Du Papi, wo ist den die Mami jetzt hingegangen?
Auf eine Tupper-Party!
Was ist denn eine Tupper-Party?
Der Vater überlegt, wie er das System des Direktmarketing am besten erklärt und sagt schließlich: Da trifft sich die Mami mit vielen Frauen und die kaufen alle eine Menge Plastikschüsseln!
Da fängt der Maxi an zu lachen: Nein, Papi, ernsthaft, was ist das wirklich, eine Tupper-Party?

 

Da sieht man wieder, dass uns oft auch die Kinder unsere einfachen Erklärungen nicht abkaufen, auch wenn sie der Wahrheit entsprechen. Wir sind es einfach gewöhnt, Dinge hinter den Dingen zu suchen, wir sind also quasi antrainierte Metaphysikerinnen.

Wieder zurück zu den Dingen, die nicht hinter andern Dingen liegen und daher leichter zu finden sein sollten. Also, Erkenntnistheorie. Was ist wirklich? Das was wir sehen? Das was wir wissen, weil wir so etwas oder etwas Ähnliches schon mal gesehen haben? Oder das, was uns im Fernsehen präsentiert wird, weil nur wo Edutainment drauf steht, ist auch Wahrheit drin? Das Fernsehen arbeitet ja viel mit technischen Effekten und präsentiert uns daher lieber Natur- als Geisteswissenschaft, weil da Knalleffekte wirklich knallen. Dadurch erhalten wir aber auch eine gehörige Portion Skepsis:

Ein Wissenschaftler fährt mit seiner Frau übers Land. Sie ruft „Oh, schau, wie nett, da vorne sind Schafe!“ Er grunzt nur gelangweilt. Als sie näher kommen, meint sie „Und sie sind alle geschoren worden!“ Darauf der Wissenschaftler: „Zumindest auf dieser Seite!“

Und wir sind auch daran gewöhnt, eher unseren Sinnen zu trauen als unserem Verstand. Aber die Sinne können uns auch täuschen:

Ein Mann geht mit seinem Hund in ein Café und setzt sich in der Nähe der Tür hin. Der Kellner geht zu ihm hin und sagt: „Den Hund können Sie hier nicht mit hinein nehmen!“ Der Mann: „Aber es ist mein Blindenhund!“ „Oh, Entschuldigung!“
Kommt ein anderer Mann mit einem Hund herein. Der erste Mann sagt zu ihm: „Sie müssen dem Kellner sagen, dass es ein Blindenhund ist, sonst darf er nicht rein!“ „Oh, danke!“ sagt der zweite Mann und setzt sich. Kommt der Kellner, wie erwartet, und erklärt dem zweiten Mann, dass er seinen Hund nicht mitnehmen darf. „Oh, aber es ist ein Blindenhund!“
„Das glaube ich nicht“, meint da der Kellner, „Chihuahuas werden nicht als Blindenhunde ausgebildet!“
Der Mann schluckt, denkt nach und ruft dann „Oh, verdammt, die haben mir einen Chihuahua angedreht?“

Musik 2:

Interpretin: JP Mounier , Track: Get up, Länge 06:03

Beitrag 2: Logik

Jetzt geht es weiter mit den humorvollen Geschichten aus dem Bereich der Logik. Diese ist ja, wie auch die Sprachphilosophie, quasi ein aufgelegtes Witzthema. Meist geht es hierbei um Haarspaltereien, allerdings mit hohem Alltagsbezug.

Es gibt sogar professionelle Haarspalter, nämlich die Rabbiner, bei deren Ausbildung bekanntlich auch Kurse in angewandter talmudischer Haarspalterei inkludiert ist.

Samuel beschwert sich beim Rabbi, dass Isaak immer seine Schafe über sein Feld treibt und dadurch die Ernte ruiniert. „Das ist nicht in Ordnung!“, meint er. Der Rabbi sagt: „Du hast Recht!“
Daraufhin mein Isaak: „Aber nur durch das Feld von Samuel kommen meine Schafe zur Wasserstelle! Seit Jahrhunderten führen die Schäfer ihre Herden hier durch!“ Der Rabbi meint auch zu ihm: „du hast Recht!“
Die Putzfrau hat das mit angehört und schüttelt den Kopf: „Sag mal, Rabbi, es können doch nicht beide Recht haben!“
Antwortet der Rabbi: „Du hast Recht!“

Aber Logik besteht ja noch aus vielen anderen lustigen Überlegungen, und am interessantesten sind ja wohl die Fehlschlüsse, die meist nette lateinische Namen tragen. Wie zum Beispiel der Post hoc ergo propter hoc. Zu deutsch würde das etwa bedeuten Danach, daher darum. Es geht schlicht darum, dass jemand annimmt, etwas wäre eine Folge von etwas anderem, weil es danach geschehen ist.

Als Fehlschluss sieht das dann etwa so aus:

Eine Frau stellt sich jeden Morgen auf ihre Türschwelle und ruft: „Lass dieses Haus frei von Tigern sein!“ Jemand hört das uns sagt: „Wozu soll das gut sein? Hier gibt es doch weit und breit keine Tiger!“ Die Frau: „Na sehen Sie, wie es wirkt!“

Oder so:

In den Everglades fragt ein Tourist den Führer: „Stimmt es, dass Alligatoren nicht angreifen, wenn man eine Taschenlampe trägt?“
„Kommt darauf an, wie schnell Sie die Taschenlampe tragen!“

Eine andere Art von Fehlschluss ist der Zirkelschluss, und dazu gibt es auch eine wunderbare Geschichte:

Im Herbst fragen die Indianer ihren neuen Häuptling, ob es ein harter Winter werden wird. Der Häuptling hatte eine moderne Ausbildung genossen und keine Ahnung von den alten Weisheiten der Ahnen, also ging er auf Nummer Sicher und riet den Leuten, Vorräte für einen harten Winter anzulegen. Einige Tage später hatte er die Idee, beim staatlichen Wetterdienst anzurufen, ob dieser einen harten Winter voraussagt. Der Wetterdienst meinte, es würde tatsächlich einen harten Winter geben, und so wies der Häuptling seine Leute an, noch mehr Vorräte anzulegen und jede Menge Feuerholz zu sammeln. Einige Wochen später überprüfte der Häuptling nochmal beim Wetterdienst, und dieser meinte, der Winter würde tatsächlich so streng werden wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Häuptling fragte, wie sich der Wettermann so sicher sein könnte. Dieser meinte „Die Indianer sammeln seit Wochen wie die Verrückten Feuerholz!“

Und einer meiner liebsten Fehlschlüsse ist das Argumentum ad verecundiam, also die Begründung durch Autorität. Diese läuft uns ja im Alltag ständig über den Weg, und gibt so auch gutes Witzmaterial her:

Josef trifft einen alten Schulkollegen und ist erstaunt: „Hans? Du lebst ja? Ich habe gehört, du wärst bei einem Unfall gestorben!“ Hans: „Du siehst ja, ich bin sehr lebendig!“ Josef: „Unmöglich, ich weiß es von jemandem, der viel zuverlässiger ist als du!“

 

Kritische Journalistinnen oder Philosophinnen wissen, dass man selbst die so genannten „gewöhnlich gut informierten Quellen“ lieber dreimal als zweimal überprüft…

 

Ein Mann will sich einen Papagei kaufen und geht in eine Tierhandlung. Der Händler zeigt ihm einen Papagei: „Hier hätte ich einen, der kann alle Arien von Mozart singen, er kostet € 5.000!“ Der Mann überlegt. Der Händler weiter „… oder hier, dieser Papagei kann Wagners Ring singen, kostet € 10.000!“ Der Mann meint: „Puh, ganz schön teuer!“ Der Händler darauf: „Das ist noch gar nichts! Ich habe hinten noch einen, der kostet € 30.000“ „Echt? Wieso ist der so teuer? Was kann der?“ Antwortet der Händler: „Keine Ahnung, aber die anderen beiden nennen ihn Maestro!“

Dann gibt es noch „Zenons Paradoxon“, auch bekannt als „Achilles und die Schildkröte“. Hier geht es darum, dass ein schneller Läufer einen langsamen nicht einholen kann, wenn er ihm einen Vorsprung gibt, weil in der Zeit, in der er den Vorsprung einholt, der Langsame wieder ein Stück weiter ist, und sich das theoretisch unendlich wiederholt. Stimmt natürlich in der Praxis nicht, gibt aber Stoff für Witze her:

Bei einer Vorführung von Haushaltsgeräten: „Meine Damen und Herren, dieser neuartige Staubsauger wird ihre Hausarbeit halbieren!“ Dame in der zweiten Reihe: „Super, ich nehme zwei davon!“

Musik 3:

Interpretin: NuJazz-Trio, Track: Insider, Länge 05:58

Zwischenmoderation:

Für alle, die sich erst später zugeschaltet haben:

Hier ist „hinterfragt„, das philosophische Magazin auf FREIRAD 105.9, dem freien Radio in Innsbruck! Mein Name ist Ewald Strohmar-Mauler mit philosophischen Gedanken zu zeitlosen Fragen und aktuellen Themen.

Der heutige Beitrag trägt den Titel: Plato and a Platypus walk into a bar… und ich präsentiere aus dem gleichnamigen Buch philosophische Witze, wegen der Hitze.

Beitrag 3: Ethik

Auch über Ethik kann man gut Witze machen, schließlich ist das Thema hier das menschliche Verhalten – richtig oder falsch, gut oder böse… und was hier noch zumeist dazu kommt: vieles in der Ethik ist entweder religiös angehaucht oder einfach nur eine Idee grantiger Eltern.

Ein Klassiker:

Moses kommt vom Berg Sinai herunter und sagt zu seinen Leuten: „Die gute Nachricht: Ich habe ihn auf 10 herunter gehandelt – die schlechte Nachricht: Ehebruch ist noch immer dabei!“

Oder, wie wäre es mit diesem:

Auf dem Fakultätstreffen erscheint plötzlich eine gute Fee und fragt den Leiter der philosophischen Fakultät: „Ich werde dir einen Wunsch erfüllen, was willst du haben: Weisheit, Schönheit, oder 10 Millionen Euro?“ Sofort antwortet der Professor: „Natürlich Weisheit!“ Ein Knall, ein Blitz, und die Fee ist weg. Der Professor sitzt da und sieht nachdenklich aus. Ein Kollege fragt ihn: „Was ist los?“ Darauf leise der Professor: „Ich hätte das Geld nehmen sollen…“

Die Stoiker sind dafür bekannt, eher humorlos zu sein, aber auch einen Stoiker-Witz kann man im Schnabeltier-Buch finden:

Frau und Herr Müller gehen zum Zahnarzt. Im Behandlungszimmer sagt Herr Müller gleich: „Herr Doktor, wir haben es eilig! Also bitte keinen Schnickschnack, keine Spritzen oder sowas, einfach zack! Raus mit dem Zahn!“
Der Arzt schaut ihn an und meint: „Ok, ich habe ja selten Patienten, die die Behandlung so stoisch angehen. Also, welcher Zahn ist es?“
Herr Müller dreht sich zu seiner Frau um: „So Schatz, zeig mal!“

Und dann gibt es noch den Utilitarismus. Diese Strömung strebt das größte Glück für die größtmögliche Zahl von Menschen an, und das läuft dann auch manchmal auf den Satz von Lenin hinaus, dass der Zweck die Mittel heiligt.

Frau Schneider, eine betagte Dame, lässt sich ihr Portrait malen. Sie weist den Maler an, doch zusätzlich an jedem Handgelenk einen dicken goldenen, brillantbesetzten Armreifen zu malen, am Hals eine dicke Perlenkette, dazu riesige Rubin-Ohrgehänge und zum Abschluss eine diamante Tiara auf dem Kopf. Der Maler schüttelt den Kopf und meint: „Aber das wäre doch eine glatte Lüge!“ Frau Schneider antwortet: „Schau’n Sie, junger Mann, mein Ehemann läuft seit ein paar Wochen mit so einem blonden Flittchen rum, und wenn ich mal gestorben bin, soll die total verzweifelt nach dem Schmuck suchen!“

Und noch einer:

Er: Würden Sie mit mir schlafen, wenn ich Ihnen eine Million Euro gebe?
Sie: Das ist ein verlockendes Angebot… ich denke schon!
Er: Und für zwei Euro?
Sie: Frechheit! Was glauben Sie, was ich bin?
Er: Ich dachte, das hätten wir schon geklärt… jetzt verhandeln wir nur noch über den Preis!

Und einer geht noch zum Thema Utilitarismus:

Eine reiche Witwe sieht in ihrem Country Club einen attraktiven Mittfünfziger, den sie noch nie gesehen hat. „Halloo, sind Sie neu hier? Ich habe Sie hier ja noch nie gesehen!“
Er: „Sehr wahrscheinlich, ich war die letzten 30 Jahre im Gefängnis!“
Sie: „Ach so, Sie schlimmer Finger, was haben Sie denn getan?“
Er: „Meine Frau umgebracht!“
Sie: „Ach, dann sind Sie ja Single!“

Jetzt aber zu ernsteren Themen. Ich habe nämlich heute noch gar nicht über Immanuel Kant gesprochen. Nicht, dass dieser preußische Pedant besonders lustig gewesen wäre, aber immerhin wird er im Schnabeltier-Buch erwähnt. Bzw. sein kategorischer Imperativ, im eher hilflosen wirkenden Versuch der Autoren, diesen mit der Goldenen Regel zu vergleichen. Mehr als ein einzeiliger Witz fällt ihnen leider dazu nicht ein:

Ein Sadist ist ein Masochist, der die Goldene Regel befolgt.

Tja, was soll ich sagen, ich habe auch in den Untiefen des Internets keinen Kategorischen Imperativ-Witz gefunden – wenn wer einen weiß, bitte per eMail an radio {at} hinterfragt {punkt} at, ich nehme ihn dann in die nächste Witz-Sendung auf.

George Bernard Shaw, der englische Schriftsteller, meinte übrigens:

Füge deinen Nächsten nicht zu, was du willst, das man dir zufügt: sie könnten andere Vorlieben haben!

Doch jetzt zur angewandten Ethik. Ärzte haben ja offenbar, je nach Spezialgebiet, unterschiedliche Ansichten von Ethik:

Ein Allgemeinmediziner, ein Gynäkologe, ein Chirurg und ein Pathologe gehen auf die Entenjagd. Ein Vogel fliegt auf, der Allgemeinmediziner legt an und überlegt es sich dann anders, weil er sich nicht sicher ist, ob es sich überhaupt um eine Ente handelt. Der Gynäkologe zielt, senkt das Gewehr – es ist nicht erkennbar, ob der Vogel weiblich oder männlich ist. Dem Chirurgen ist das egal, er schießt, der Vogel ist getroffen und fällt zu Boden. Der Chirurg zum Pathologen: „Schau mal nach, ob es eine Ente ist!“

Und natürlich, die Anwälte…

Der Richter holt die beiden gegnerischen Anwälte in sein Richterzimmer. „Meine Herren, wir müssen zu einer Entscheidung kommen. Martin, du hast mir € 10.000 gegeben, Andreas, von dir habe ich € 15.000 bekommen. Wir machen es jetzt so: Andreas, ich gebe dir € 5.000 zurück, und ich entscheide den Fall nach der Beweislage!“

Übrigens sind in dem Buch erstaunlich wenige Anwaltswitze enthalten, obwohl die Autoren Amerikaner sind. So, zum guten Abschluss des Themas Ethik noch schnell ein Psychiater-Witz:

Der Klient kommt zu seiner Psychiaterin und entschuldigt sich, dass er so spät kommt. „Ich habe verschlafen, aber das war wichtig, denn ich hatte einen Traum, der mich unheimlich weiter gebracht hat: Im Traum habe ich mit meiner Mutter gesprochen, und plötzlich hat sie sich in Sie verwandelt, Frau Doktor! Das war doch wichtig, oder? Ich habe mir dann schnell auf dem Weg eine Wurstsemmel und ein Cola geschnappt zum Frühstück, damit ich nicht noch später komme!“
Die Psychiaterin ruft entsetzt aus: „Eine Wurstsemmel und ein Cola? Das nennst du ein Frühstück?“

Musik 4:

Interpretin: Project System 12, Track: Bits Bytes and Tunes, Länge03:42

Beitrag 4: Sprachphilosophie

Nächstes Thema, Sprachphilosophie. Da geht’s unter anderem um die Frage, ob Sprache erst durch ihren Gebrauch definiert wird. Man kann mit Sprache ja bewusst allerhand anstellen, aber noch mehr stellen wohl die Leute an, die unbewusst Sprache verwenden, ohne groß darüber nachzudenken, was sie eigentlich da sagen. Oder jene, die das Gesagte falsch verstehen. Eine unheimliche Witzquelle also!

Ein junges Paar zieht in die erste gemeinsame Wohnung und will das Wohnzimmer tapezieren. Sie diskutieren, wie viele Rollen Tapete sie wohl brauchen werden, und letztlich fragen sie den Nachbarn, dessen Wohnzimmer genauso groß ist. „Also ich habe damals sieben Rollen gekauft!“ meint dieser. Also kaufen sie sieben Rollen und beginnen mit dem Tapezieren. Nach vier Rollen sind sie fertig. Sie klingeln erbost beim Nachbarn: „Entschuldigung, wir haben auch sieben Rollen gekauft, aber nur vier gebraucht, somit sind drei Rollen übrig geblieben!“ Der Nachbar: „Ach, bei Ihnen auch?“

Also, wie war das mit der Gebrauchstheorie der Sprache?

Franz geht zum Psychiater, weil er nie eine Freundin kriegt. Der Psychiater meint: „Kein Wunder, Sie stinken erbärmlich!“
Franz: „Das ist wegen meiner Arbeit: ich räume im Zirkus die Elefantenscheiße weg. Ich kann mich waschen, wie ich will, ich bekomme den Gestank einfach nicht weg!“
Der Psychiater: „Wie wäre es mit einem Berufswechsel?“
Franz: „Ich werde doch das Show-Business nicht aufgeben!“

Tja, nicht alle verstehen unter Show-Business das Gleiche… Und natürlich kommt es auch immer auf den linguistischen Rahmen an:

Welches der drei Dinge gehört nicht dazu: Herpes, Gonorrhoe, Haushaltsversicherung?
Na, sicher die Haushaltsversicherung!
Falsch, die Gonorrhoe, die kann man nämlich als einziges von den dreien wieder loswerden!

Offenbar sind die Autoren des Schnabeltier-Buches der Meinung, dass gerade die Geistlichkeit besonders anfällig wäre für irrtümlichen Sprachgebrauch:

Tommy geht zur Beichte und sagt: „Ich habe gesündigt: ich war mit einem leichten Mädchen zusammen!“
„Ach, Tommy, wer war es denn?“
„Das will ich lieber nicht sagen…“
„War es die Marie?“ -„Nein!“
„War es die Gitti?“ -„Nein!“
„War es die Fini?“ -„Nein!“
„Ach was solls, bete vier Vaterunser und vier Gegrüßet. Ich spreche dich los…“
Draußen wartet schon Tommys Freund Michl: „Und, wie war’s?“ „Gar nicht schlecht: Vier Vaterunser, vier Gegrüßet und drei Super-Tipps bekommen!“

Apropos Beichte:

Ein alter Mann geht zur Beichte. „Ich bin fünfundsiebzig und habe letzte Nacht mit zwei Zwanzigjährigen geschlafen!“
Der Priester fragt: „Wann waren Sie zum letzten Mal bei der Beichte?“
„Ich war noch nie bei der Beichte, ich bin noch nicht mal katholisch!“
„Wieso kommen Sie dann mit Ihrer Geschichte zu mir?“
„Weil ich sie jedem erzähle!“

Weg vom Beichtstuhl, ab ins Museum:

Im Naturkundemuseum bewundern einige Touristinnen die Saurierknochen. „Entschuldigung,“ fragt eine ältere Dame den Museumswärter, „wie alt sind denn diese Knochen?“
Der Wärter denkt kurz nach, „drei Millionen, vier Jahre und siebzehn Tage“.
„Wahnsinn!“ meint der Mann der Dame, „woher wissen Sie denn das so genau?“
„Ganz einfach: es waren drei Millionen Jahre, als ich hier angefangen habe, und das ist jetzt vier Jahre und 17 Tage her!“

Und weiter geht’s mit etwas Musik…

Musik 5:

Interpretin: Somewhere off Jazz Street, Track: One Crazy Night, Länge 07:48

Beitrag 5: Fazit

Ein Handelsreisender fährt gerade übers Land, als sein Wagen zusammen bricht. Er wandert einige Kilometer, bis er an einen Bauernhof gelangt. Dort fragt er den Bauern, ob er hier übernachten kann.
„Sicher,“ sagt der Bauer, „meine Frau ist vor einigen Jahren gestorben, und meine Töchter sind in der Stadt zum Studieren, ich bin also ganz alleine und habe Platz genug!“
Der Handelsreisende dreht sich um und geht weg.
„Hallo, haben Sie nicht gehört, was ich gesagt habe? Ich hab Platz genug!“ ruft ihm der Bauer nach.
Der Handelsreisende dreht sich um und sagt: „Ja, aber ich glaube, ich bin im falschen Witz!“

Das war jetzt ein Meta-Witz, quasi ein Witz über einen Witz, so wie es die Meta-Philosophie gibt, die über Philosophie philosophiert.

Denn wir nähern uns dem Ende der Sendung, und ich werde jetzt nur mehr zwei Witze erzählen, und dann ausnahmsweise noch mal Musik vor dem Schlusswort spielen.

Also, es ist ja so, dass Witze nicht politisch korrekt sein müssen, auch wenn oft das Gegenteil behauptet wird. Kant würde sagen: Erzähle nur Witze, von denen du willst, dass sie zur allgemeinen Witznorm erhoben werden sollten. Ich aber sage euch: dann würden viele Witze nie erzählt werden, denkt nur mal an den guten alten britischen schwarzen Humor. Nachdem das Schnabeltier-Buch aber amerikanisch ist, war da aber kein wirklich britischer drin. Aber ein politisch unkorrekter:

Ein Mann kommt in eine sehr volle Bar und kündigt an, er habe einen extrem witzigen Polenwitz zu erzählen.
„Achtung!“ zischt da der Barkeeper, „ich bin Pole!“
Darauf der Mann: „Dann – werde – ich – ihn – ganz – langsam – erzählen!“

Und zur Krönung der Ur-Metawitz (laut Angabe der Autoren):

Ein Blinder, eine Lesbe und ein Frosch gehen in eine Bar. Der Barkeeper schaut sie an und sagt: „Was wird das jetzt? Ein Witz?“

Musik 6:

Interpretin: Tryad, Track: Let them run (unreleased), Länge 03:02

Abmoderation:

So, nun sage ich wie immer an dieser Stelle: genug philosophiert für heute. Ich danke euch herzlich fürs Zuhören und hoffe, die Sendung hat euch wieder gefallen.

Und nochmals der Hinweis die Internet-Seiten zur Sendung:

Kritik, sowohl negative als auch positive, Wünsche und Anregungen könnt ihr gerne an mich per eMail senden: radio@hinterfragt.at.

Und wer die Sendung nachlesen möchte: die begleitende Website ist zu finden unter hinterfragt.at, dort könnt ihr auch Kommentare zur Sendung abgeben. Außerdem könnt ihr mir auch auf Twitter folgen @hinterfragtAT oder auf Facebook unter hinterfragt.

Und nun verabschiede ich mich und wünsche euch noch eine gute Zeit.

Das war Ewald Strohmar-Mauler mit der Sendung hinterfragt. Das philosophische Magazin live auf FREIRAD 105.9, dem Freien Radio in Innsbruck.

Abspannmusik:

Interpretin: Fortadelis, Track: Jazz Momentum, Länge: 6:03

 

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