22. Sendung, 9. Juli 2013: Klosterfrauen im Tiroler Landtag

22. Sendung vom 09. Juli 2013

Titel: Klosterfrauen im Tiroler Landtag

Ich begrüße euch, liebe Hörerinnen von FREIRAD 105.9, dem freien Radio in Innsbruck! Live am Mikrofon ist wieder Ewald Strohmar-Mauler mit der Juli-Ausgabe von „hinterfragt.„, dem kulturwissenschaftlichen Magazin, heute mit dem Schwerpunkt-Thema: Klosterfrauen im Tiroler Landtag.

Was soll das? Wo sollen da, bitteschön, Klosterfrauen sein. Wir haben zwar seit der Wahl Ende April eine neue Zusammensetzung im Landtag, eine Koalition mit neuen Gesichtern, aber von irgendwelchen Nonnen war doch da nie die Rede… was soll das also?

Nun, wer mich kennt, weiß, dass es sich dabei entweder um ein Gedankenexperiment handeln könnte – theoretisch-philosophische Fragen wie:

Was wäre, wenn da jetzt im Landtag plötzlich Nonnen sitzen würden? Wohin würde da die Politik gehen? Welche besonderen Ideen und Anregungen kämen etwa von Frauen, deren Tagesablauf im Gebet und / oder tätiger Nächstenliebe besteht? –

oder aber, es handelt sich um ein historisches Thema, es geht also um die Regierungsbeteiligung von Klosterfrauen in einer vergangenen Epoche.

Und genau das ist heute der Fall. Ich habe also heute ein Interview für euch mit Frau Dr. Ellinor Forster vom Institut für Geschichts­wissen­schaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck, die uns über ihre Forschungsergebnisse berichten wird.

Musik

JP Mounier: Rhino

Beitrag 1: Einleitung / Landstände

Es war kurz vor der Landtagswahl, ich war noch voll im Wahlkampf und hatte kaum eine Handvoll Gehirnzellen für etwas anderes übrig, da erschien in meiner Lieblingsbeilage zur Tageszeitung, wissenswert, wo die Universität Innsbruck über neue Erkenntnisse ihrer Wissenschaftlerinnen berichtet, ein Beitrag „Geistliche in der Politik“ mit einer Darstellung des Tiroler Landtages aus dem 16.Jahrhundert. Und dort fand ich auch erste Hinweise darauf, dass in der Vormoderne tatsächlich auch Frauen im Landtag Sitz und Stimme hatten. Dem musste ich natürlich nachgehen.

Im Buch „Frauenklöster im Alpenraum“, herausgegeben von Brigitte Mazohl und Ellinor Forster findet man dann auch den im Artikel genannten Beitrag von Ellinor Forster, der den Titel trägt: „Zwischen Landtag und Huldigungsumritt“. Hier werden das Stift Sonnenburg im Pustertal und das Klarissenkloser in Meran untersucht: warum hatten sie Sitz und Stimme im Landtag? Warum hatte das Stift Sonnenburg gar Gerichtsherrschaft, und was bedeutete dies?

Es wurde immer spannender, und so vereinbarte ich ein Interview mit Frau Dr. Ellinor Forster, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Doch bevor ich den ersten Teil des Interviews einspiele, für euch schnell die Grundlagen:

es gab circa ab dem 15. Jahrhundert bis hinein ins 19. Jahrhundert die so genannten Landstände, früher auch unter dem Begriff Landschaft bekannt. Diese (ich zitiere von einer Seite des Tiroler Landesarchivs) setzen sich aus

„Adel, landesfürstliche[n] Städte[n] und (vereinzelt) Märkte[n], Prälaten (die Bischöfe von Brixen und Trient und deren Domkapitel, die Vorstände der vornehmen Klöster und Stifte) sowie – was einer besonderen politischen Konstellation in Tirol zu verdanken war – [den] ländlichen, von den Bauern dominierten Gerichtsgemeinden“ 1 (Zitat Ende) zusammen und hatten die Aufgabe, auf den Landtagen über landesfürstliche Anliegen und Forderungen, meist nach finanziellen Mitteln, zu beraten, andererseits brachten sie auch ihre eigenen Anliegen vor.

[Einspielung Interview Teil 1]

Musik

Coucou: The Yes needs the no

Beitrag 2:Gleichberechtigung

Natürlich wollte ich dann noch mehr wissen, warum es da Frauenklöster gab, die ebenfalls ihre Gesandten hinschicken durften – hatten alle Frauenklöster die Möglichkeit dazu?

Und dann ist da natürlich auch noch die Frage der Gleichberechtigung, die ja selbst bei uns heute offensichtlich noch nicht so ganz funktioniert. War das vielleicht im Mittelalter ganz anders? Und vor allem, anders als wir uns das Mittelalter vorstellen?

[Einspielung Teil 2]

Musik

Interpretin: Zero-project, Track: The ride of the Dark Knight, Länge 3:06

Beitrag 3:Machtverhältnisse

Meine nächste Frage war dann, welche Leute die Äbtissinnen denn dann zum Landtag geschickt haben. Einen befreundeten Adeligen, der zufällig in Innsbruck wohnte? Jemand speziellen, je nach Anlass? Und hatte dadurch, dass es Adelige waren, nicht dann die Adelsbank im Landtag noch eine Stimme mehr?

Ich wollte den sicherlich spannenden Machtverhältnissen im vormodernen Tiroler Landtag auf die Spur kommen, vor allem angesichts der Tatsache, dass Adel und Klerus ja meist ziemlich eng verwobene Verbindungen hatten.

[Einspielung Teil 3]

Zwischenmoderation:

Für alle, die sich erst später zugeschaltet haben:

Hier ist „hinterfragt„, das kulturwissenschaftliche Magazin live auf FREIRAD 105.9, dem freien Radio in Innsbruck! Mein Name ist Ewald Strohmar-Mauler.

Heute mit dem Thema: Klosterfrauen im Tiroler Landtag

Wie ging es in Mittelalter und früher Neuzeit im Tiroler Landtag zu? Warum saßen dort auch Vertreter von zwei Südtiroler Frauenklöstern?

Und jetzt, im zweiten Teil der Sendung:

Was ist ein Huldigungsumritt?

Und was fasziniert Ellinor Forster von der Uni Innsbruck und mich so an der vormodernen Geschichte?

Musik

Stefano Mocini: Under water

Beitrag 4: Symbolik

Ein ganz interessantes Thema sind für mich ja immer diese vormodernen Symbolhandlungen, die bis ins 19. Jahrhundert hinein, und teilweise noch später, das ganze menschliche Leben durchzogen.

Der Mensch, so meinte ja Ernst Cassirer, ist ein animal symbolicum, und was prägt das Mittelalter und die frühe Neuzeit mehr als diese für uns oft nur mehr schwer nachvollziehbaren Zeichen? Von kirchlichen Symbolen – das Wort Sakrament bedeutet ja auch „heiliges Zeichen“ – zu alltäglichen Handlungen (wo dann teilweise auch das Wort Aberglaube nicht falsch ist) bis eben hin zu den politischen Zeichensetzungen, die viel stärker ausgeprägt waren und dadurch auch mächtiger wirkten als die heute üblichen minimalen Zeichen wie eine Unterschrift oder ein Versprechen per Händedruck, die eine gesetzliche Grundlage brauchen, um überhaupt Wirksamkeit zu haben.

Doch jetzt: wie war das mit dem Huldigungsumritt?

[Einspielung Teil 4]

Musik

Calaminus: thy name will be hope

]

Beitrag 5: Was fasziniert an historischer Forschung?

Meine letzte Frage war dann vielleicht eher mehr persönlich als sachlich: was fasziniert jemanden denn eigentlich an der Beschäftigung mit solchen Themen?

Wie kommt man zu einer solchen Forschungsfrage?

[Einspielung Teil 5]

[Ausleitung zum Thema]

Ich bedanke mich nochmals herzlich bei Elli Forster für dieses spannende Interview zum Thema „Klosterfrauen im Tiroler Landtag“. Wir wissen nun mehr über Damenstifte als besonderen Lebensentwurf, über die politischen Möglichkeiten, die in der Vormoderne auch für Frauen bestanden haben, über die Machtverhältnisse im spätmittelalterlichen Tirol und dass Taktieren und Paktieren keine Erfindung neuzeitlicher Politiker sind.

Abmoderation:

So, aber nun genug hinterfragt für heute. Ich danke euch herzlich fürs Zuhören und hoffe, die Sendung hat euch wieder gefallen.

Und nochmals der Hinweis die Internet-Seiten zur Sendung:

Kritik, sowohl negative als auch positive, Wünsche und Anregungen könnt ihr gerne an mich per eMail senden: radio@hinterfragt.at.

Und wer die Sendung nachlesen möchte: die begleitende Website ist zu finden unter hinterfragt.at, dort könnt ihr auch Kommentare zur Sendung abgeben. Außerdem könnt ihr mir auch auf Twitter folgen @hinterfragtAT oder auf Facebook unter hinterfragt.

Und nun verabschiede ich mich und wünsche euch noch eine gute Zeit.

Das war Ewald Strohmar-Mauler mit der Sendung hinterfragt. Das kulturwissenschaftliche Magazin live auf FREIRAD 105.9, dem Freien Radio in Innsbruck.

Abspannmusik:

Interpretin: Fusion Orchestra: Unexpected guest: 8:12

1http://www.tirol.gv.at/themen/​kultur/​landesarchiv/​glossar/​archivglossar-l/

 

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