Sendung vom 8. April 2014: Das eBook im Selbstverlag

Ich begrüße euch, liebe Hörerinnen von FREIRAD 105.9 MHz, dem freien Radio in Innsbruck! Am Mikrofon ist wieder Ewald Strohmar-Mauler mit einer neuen Ausgabe von „hinterfragt.“, dem kulturwissenschaftlichen Magazin.

 

Die heutige Sendung trägt den Titel: Das eBook im Selbstverlag.

Ich stelle euch also heute sozusagen eine Do-It-Yourself-Anleitung für die Veröffentlichung von eBooks vor. Ich bin zwar auch bei weitem kein Experte, wie ihr gleich sehen werdet, habe aber einige Autorinnen als solche zur Hand.

Es geht heute also um die Schreiberei an sich, wie mensch sich vorbereitet, was mensch so braucht an Zeit, Recherche und Zubehör, die Auswahl der richtigen Plattform, das richtige Marketing, usw.

 

Doch zuerst wie immer, etwas Musik.

Musik 1:

Calaminus Affirmation 00:04:33

 

 

Beitrag 1: Überblick

Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit Steampunk, wie ja alle wissen, die meine Sendung am 11.2.2014 gehört oder nachgelesen haben, in welcher ich das Genre vor allem aus literarischer und gesellschaftlicher Sicht betrachtet habe.

 

Inzwischen habe ich, weil meiner Meinung nach im Steampunk ungeheures Potenzial zu finden ist, auch begonnen, selbst Steampunk-Geschichten zu schreiben. Somit habe ich die gute Gelegenheit, gleichzeitig auch zu recherchieren, wie es einem als Autor im Jahr 2014 so ergehen kann, was mensch dabei verdienen kann, wie die Szene beschaffen ist, usw.

 

Damit jetzt nicht alle noch schnell die Steampunk-Sendung vom Februar nach-hören müssen, um zu heraus zu finden, ob das Thema Selfpublishing etwas mit Steampunk zu tun hat, eine rasche Erklärung:

prinzipiell hat das gar nichts mit Steampunk zu tun, doch die Geschichten, die ich schreiben will, sind eben in einer Steampunk-Welt angesiedelt, sprich einer alternativen, retrofuturistischen Welt ca. 1850 bis 1900, in welcher vieles bereits anders läuft als in der “richtigen” Welt, und so kann ich hier Zukunftsvarianten schmieden, in welchen z.B. unsere Abhängigkeit von Erdöl und ähnlichen nicht nachwachsenden Rohstoffen nicht gegeben ist, oder andere politische Systeme erprobt werden können, usw. Viel Raum für Phantasie also, eine riesige Quelle für Ideen, wie ich auch in den letzten Tagen feststellen konnte, als so zwanzig von uns Steampunk Autorinnen an einer Wildwest-Steampunk-Anthologie herum tüftelten.

 

Doch nun konkret zum Schreiben und Veröffentlichen:

Meine erste Idee war es, zunächst eine short story auf Englisch zu schreiben und diese dann als ebook auf Smashwords zu veröffentlichen. Über diese Plattform, welche ein Werk automatisch bei allen relevanten Anbietern einstellt, hatte ich mal in der Zeitung gelesen und auch weitere Recherchen, sowohl auf deren Website als auch in der Websuche nach Erfahrungen anderer Autorinnen, sah dieser Dienst recht gut aus, von gewissen Einschränkungen abgesehen, die aber nur ganz heikle Individuen stören. Zu meinen eigenen praktischen Erfahrungen komme ich dann aber etwas später.

 

Denn zunächst mal will ja so eine Geschichte überhaupt mal geschrieben sein. Ich hatte geplant, für den Anfang in etwa 7500 bis 8000 Worte zu verfassen, was für die American Science Fiction Writers’ Guild als short story zählt. Nicht, dass mir diese Gilde besonders wichtig wäre, aber die deutschsprachige Literaturwissenschaft nennt leider keine konkreten Angaben darüber, wie lang so eine Kurzgeschichte ist oder sein soll. Kurz sollte sie jedenfalls sein, weil ich für meinen Versuchsballon nicht zuerst 400 Seiten verfassen wollte, um mich dann in den Allerwertesten zu beißen, wenn ich auf unerwartete Probleme stoßen sollte und das ganze Produkt dann großzügig umschreiben müsste.

 

Und wer mich kennt, weiß, dass ich die Dinge gern methodisch angehe, so mit Grundlagen-Recherche und Mindmaps.

Also, vielleicht zunächst doch mal erforschen, was eine Kurzgeschichte so ausmacht. Generell findet mensch wenig darüber, was, wie, wann eine Kurzgeschichte ist, sein soll, oder sein kann. Nach dem „Grundkurs Literaturwissenschaft“1 zählt die Kurzgeschichte zu den epischen Kleinformen, wie auch die Novelle, von welcher sie sich dadurch unterscheidet, dass sie nicht so streng komponiert ist. Und sie orientiert sich am Vorbild der amerikanischen short story. Oh, dachte ich mir, gibt es da etwa Unterschiede? „Orientiert sich an …“ ist ja nicht das Gleiche wie „ist die Übersetzung von …“. Also gut, gehen wir einen Schritt zurück:

 

Eine short story ist nach Merriam-Webster online:

„an invented prose narrative shorter than a novel usually dealing with a few characters and aiming at unity of effect and often concentrating on the creation of mood rather than plot.“2

 

Wieder zurück zur deutschen Literaturwissenschaft, ich zitiere auch hier noch einige Merkmale:

„der unvermittelte Einsatz der Handlung, die starke Verdichtung des Geschehens und der offene, disharmonische Schluss“.3

 

Und die Sprache ist (ich zitiere) „schmucklos und unpathetisch, […] der Alltagsdiktion angenähert. Vieles wird nur angedeutet […] so etwa genauere Angaben über die Zeit, den Ort, die Figuren“4.

 

Fassen wir also zusammen: kurz soll die Geschichte sein, wenige Charaktere aufweisen, und das in knapper Sprache. Das sollte ich doch ziemlich kurzfristig zusammen bringen?

 

Die nächste Frage war die nach der Sprache. Ich habe mich für den ersten Versuch für Englisch entschieden, was vielleicht ungewöhnlich ist. Warum eine Geschichte in englischer Sprache? Einerseits wegen des Reizes: Kann ich so etwas überhaupt, wo Englisch nicht meine Mutter-, nicht mal Tantensprache ist? Doch ein wenig mehr Übung schadet nichts, dachte ich mir, nur englisch zu lesen und ein paar geschäftliche eMails war mir zu wenig. Hinzu kam, dass ich zur Recherche für die Steampunk-Sendung eigentlich nur englische Romane gelesen hatte und diese Sprache mir daher irgendwie „passender“ vorkam.

Und dann war die Entscheidung wegen des Marktes nahe liegend, der dann gleich internationaler wird. Denn wenn ich für das Herunterladen der Geschichte nur 99 cents ansetze (was realistisch ist, wenn ganze Romane um 2,99 zu haben sind) und von diesen mir dann vielleicht nach Abzug von Gebühren für den Anbieter und Steuern 50 cents bleiben, muss ich sehr viele ebooks verkaufen, um sagen zu können, ich kann was dabei verdienen. Denn auch das ist Teil meines Versuches: wie schnell, wie viel, oder kann man überhaupt etwas dabei verdienen?

 

Um dem Ganzen etwas mehr Körper zu verleihen, habe ich daher auch gleich einen englischen Namen als Pseudonym erfunden, den mensch auch westlich der deutschen Sprachgrenze aussprechen kann. Dieser bekam dann auch gleich einen Twitter–Account, welcher – Stand Samstag – bereits 24 followers hat, ohne bisher etwas getan zu haben außer anderen Leuten aus der Steampunk- und Autorenszene zu folgen.

 

Zeitgleich habe ich auch begonnen, mich realiter zu vernetzen. Und zwar einerseits in der Steampunk-Welt, als auch daraus resultierend, in der deutschen Science Fiction-Szene.

Ich hatte nämlich das Glück, via Facebook die Autorin der AEtherwelt-Romane, Anja Bagus, kennen zu lernen, der ich jetzt mal einen ziemlich guten Einblick in das Autorinnendasein und gute Vernetzung in der deutschen Science Fiction Szene nachsage. Dadurch habe ich jetzt auch einige Informationen, wie der Hase in Deutschland läuft, was ebooks und gedruckte Bücher betrifft.

 

dazu aber gleich mehr, jetzt folgt wieder etwas Musik:

 

Musik 2:

Dazie Mae: The Business Of Breaking Men’s Hearts, 4:19

 

Beitrag 2: Einblick

Mein Facebook-Eintrag am Donnerstag, 3. April 2014, lautete lapidar „Es ist vollbracht! Ich habe die erste „Pounds & Sterling“ Story „The Painting in the Crate“ unter meinem Pseudonym Ethan Stratmore auf Smashwords veröffentlicht.“

 

Welche Arbeit steckte nun aber hinter dieser letztlich doch über 11.000 Worten umfassenden Geschichte?

Sie begann zunächst mit der Suche nach einer Idee. Natürlich. So weit noch nicht so schlimm, schließlich habe ich ja bereits eine Menge Geschichten gelesen oder gesehen in meinem Leben.

 

Die Idee zu „The Painting in the Crate“ setzt sich zusammen aus:

1) sollte ein nicht wirklich zusammen passendes ungleichgeschlechtliches Paar vorkommen. So wie in Bones, Castle, Dempsey & Makepeace, usw, ein Paar, das sich erst zusammen raufen muss (und dann in Staffel 6 endlich zusammen findet, oder so ähnlich).

 

2) Sie sollte Kunstgeschichtlerin sein, damit ich dieses mein Interesse auch irgendwie breittreten kann, und er musste dann die intelligente Polizeiseite darstellen, also ein Gerichtsmediziner mit Bones-Zügen, einfach nur um auch mal von blunt force traumata sprechen zu können.

Weitere meiner Interessensgebiete kommen dann in Nebencharaktere rein, also taucht sicher mal eine Goldschmiedin wo auf, oder auch eine Archäologin, Fotografin, etc.

 

3) Die Fälle spielen natürlich in einer steampunkigen Umgebung, London 1910 bietet sich da ganz gut an. Und da war dann auch schon die erste Herausforderung: die Recherche.

Straßennamen, Entfernungen und ähnliche Fixpunkte sollten einigermaßen stimmen, Variationen müssen dann aber z.B. bei Ermittlungsmethoden, Verkehrsmitteln und anderen vor allem technisch-ökonomischen Gegebenheiten ihren unauffällig-präsenten Platz finden.

Und, was auch ganz wichtig ist: „dort und damals“ gab es einfach gewisse Dinge nicht, die für uns „hier und heute“ selbstverständlich sind. Hatten die Hosen bereits Reißverschlüsse? Schaltete mensch das Licht ein, indem ein Schalter umgelegt wurde oder musste mensch dazu an irgendeinem Teil drehen? Elektrisch oder Gas oder gar Kerze? Und das alles natürlich auf „British English“ – also „all right“ statt „OK“, eine Menge „Well“ und „isnt’t it?“ einstreuen, etc.

 

4) Und was die Fälle selbst angeht, die sollten natürlich nicht sofort zu „Ach ja, kenne ich schon: Bones, Staffel 4, Episode 3“-Rufen führen. Also möglichst etwas völlig Neues, noch die Dagewesenes. Ja klar. Alle Autorinnen, die das jetzt lesen, wissen Bescheid, nicht wahr?

 

Der Mensch erfindet seit schätzungsweise 4000 Jahren Geschichten, von Götter- und Heldenepen bis hin zu TV-Script und Computerspielplot. Viel tatsächlich Originäres, noch nie Dagewesenes findet mensch da natürlich nicht mehr. Bleiben dir nur mehr Varianten mit unerwarteten Ausgangspunkten oder Ergebnissen. Selbst bei den Charakteren gibt es nichts mehr, was nicht schon mal da war: thumbe tore, clevere Trickster, holde Maiden, weniger holde Unholde… heute haben sie halt anstatt einer Keule ein Laserschwert. Also bleibt dir nichts übrig, als auch hier listenreich Varianten zu weben.

 

So, genug aus dem Nähkästchen, weiter geht’s mit der Geschichte. Also, du hast eine Story, einige Personen? Gut, dann kann ja geschrieben werden. Ich wollte, wie gesagt, zum Start etwas Kurzes, 7500 Wörter oder so. Hatte ich auch bald zusammen. Relativ gesprochen, natürlich. In Wahrheit dauert das ein paar Wochen, wenn mensch nicht Vollzeit-Autorin sein kann.

Aber dann geht’s ans Korrigieren. Selbst hat mensch sich das ja alles eh schon fünfzig Mal durchgelesen und Fehlerchen entdeckt, aber viel wichtiger ist es, u.a. Antworten auf folgende Fragen zu erhalten:

  1. ist die Geschichte stimmig?
  2. ist sie auch spannend, neu, ungewöhnlich, erfrischend, ….?
  3. sind die Personen realistisch?
  4. würdest du Geld dafür ausgeben?

plus, 5. ist dein Englisch auch wirklich englisch genug?

 

Diese Fragen muss mensch natürlich idealer Weise von so genannten Beta-Leserinnen beantworten lassen. Hier eignen sich eigentlich eh alle, von der Ehefrau bis zu den facebook-Freundinnen aus der Szene, den Profis eben, die sich sowieso anscheinend gegenseitig gerne Korrektur lesen.

Mensch sollte natürlich nur Leute wählen, von denen zu erwarten ist, dass sie kritisch genug sind, also nicht einfach nur pauschal „super!“ rufen, und dass sie verlässlich genug sind, um die Geschichte auch bis zum Ende zu lesen und konkrete Kommentare abzugeben.

Ich hatte hier großartige Unterstützung, obwohl ich – ungeduldig wie ich war – nicht gewartet hatte, bis alle ihre Rückmeldungen abgegeben hatten, ich wollte ja endlich publizieren. Ist auch keine große Sache, wenn Korrekturen erst nachträglich auftauchen, es ist möglich, geänderte Versionen nachträglich aufzuspielen.

 

Doch eigentlich sind wir noch gar nicht so weit. Eine weitere wichtige Sache, so finde ich jedenfalls, ist nämlich die Frage der Arbeitsmittel.

Ich dachte, es kann ja nicht so schlimm sein, die Geschichte einfach im Libreoffice runterzutippen. Doch dann lernte ich über eine kleine Nebenbemerkung bei den deutschen Steampunk-Autorinnen auf facebook die Autorinnensoftware Scrivener kennen und schätzen. Damit finden neben dem reinen Text, den mensch noch dazu sehr gut strukturieren kann (z.B. in Kapitel, Szenen, usw.) auch Notizen, Recherche-Material, Charakter-Blätter, eben alles, was sonst in zig Dateien oder gar auf Zetteln irgendwo herumflattert, Platz. Mit Scrivener kann mensch diese dann auch in so genannte Collections ordnen, um die einzelnen Elemente dann je nach Verwendungszweck anders zuzuteilen, etwa um sie zur Veröffentlichung auf mehreren Plattformen unterschiedlich auszugeben. Rechtschreibprüfung, Autokorrektur und solche Dinge sind sowieso heute überall Standard.

Und am Ende generiert Scrivener ein fertiges eBook im gewünschten Format, und da Smashwords nur .doc-Dateien will, die bestimmten Kriterien genügen, ist das optimal. Denn mensch sollte nicht überschätzen, welchen Datenmüll an Steuerzeichen die Textverarbeitungsprogramme da produzieren, und dann sieht das Ergebnis (eBook) unter Umständen nicht so toll aus. Scrivener ist da offenbar eher radikal im Rauswerfen dieser Steuerzeichen, jedenfalls wurde die entstandene .doc-Datei anstandslos von Smashwords akzeptiert.

 

Und natürlich braucht so ein eBook, wie jedes Buch, auch ein Cover. Dieses sollte irgendwie zur Geschichte passen, eine Stimmung vermitteln und zum Kauf anregen. Nun sind Autorinnen meist keine Grafikerinnen, daher sollten hierzu wirklich professionelle Kräfte heran gezogen werden.

Gut, hab ich auch nicht. Ein paar Bilder (1x Hintergrund, 1x Motiv) von einer Stockphoto-Seite gekauft, zusammenmontiert, Text dran, fertig. Nur zwei Tage Arbeit. Sieht aber auf einer Ergebnisseite zwischen den anderen Büchern gar nicht so schlecht aus. Mal was anderes, ein Krimi, der kein schwarzes Cover mit roter Schrift über einer leicht bekleideten (toten?) Frau hat.

 

Irgendwann war ich der Ansicht, das Buch wäre fertig. Dann dauerte es interessanter Weise nur Minuten, bis es veröffentlicht war. Ich hatte ja wegen einiger Benutzerberichte befürchtet, dass der berüchtigte AutoVetter (das Programm, welches die .docs in .epubs usw. umwandelt) mit einer Latte von Fehlermeldungen kommt. Nichts. Alles in Ordnung, dein Buch hat nun Premium-Status (d.h. wird an Amazon, Kobo, Sony, Apple, usw. verteilt). Das war’s.

 

 

Musik 3:

Underlivinline: Get down to the rythm, 4:37

 

Zwischenmoderation:

Für alle, die sich erst später zugeschaltet haben:

Hier ist „hinterfragt“, das kulturwissenschaftliche Magazin live auf FREIRAD 105.9, dem freien Radio in Innsbruck! Mein Name ist Ewald Strohmar-Mauler.

 

Das heutige Thema ist Das eBook im Selbstverlag. Eine Do-It-Yourself Anleitung zum Schreiben und Vermarkten von eBooks.

 

Bisher habe ich meine Erfahrungen mit dem Schreiben und dem Veröffentlichen erzählt, nun geht es weiter mit Marketing und den Seitenblicken auf die Erfahrungen anderer Menschen.

 

Beitrag 3: Seitenblick

Ich hatte also mein erstes eBook veröffentlicht, irgendwann nach 22 Uhr am Mittwoch, 2.April 2014.

Am nächsten Morgen hatte ich bereits 5 Leute, die sich die Leseprobe (die ersten 25% des Buches) bereits herunter geladen hatten. Jetzt heißt es, beobachten, wie sich die Sache entwickelt. Am Samstag waren es dann bereits 10 Leseproben-Leserinnen, zu Beginn der Sendung waren es bereits 17.

Ich habe das Buch mit 0,99 US-Dollar eingestellt, weil weniger nicht ging … nur gratis, aber diese Auswahl hatte ich ja deshalb nicht in Erwägung gezogen, weil ich auch testen will, wie gut das Buch ist. Denn wenn sich jemand die Leseprobe lädt und die Geschichte für gut erachtet, wird sie dann üblicher Weise auch gekauft. Gratis lädt mensch sich schnell mal was runter und es vergammelt dann auf der Festplatte.

 

Daher ist sie extrem wichtig, diese Leseprobe. Alle, die sich schon mal eBooks gekauft haben, wissen es: nichts ist hilfreicher für die Kaufentscheidung. Es ist so ähnlich, wie sich in der Buchhandlung in eine der gemütlichen Ecken zu setzen und in ein paar Bücher hinein zu schmökern, hat aus Autorinnensicht aber den Vorteil, dass die Kundinnen nicht alles fertig lesen können und dann einfach gehen, ohne zu kaufen. Nach der letzten Seite der Leseprobe kommt nämlich die Entscheidung für die Leserin: kaufen oder nicht?

 

Ich habe auf diese Weise schon ziemlich viele eBooks gekauft, und bin sehr froh, dass es diese Möglichkeit gibt. Denn, ehrlich gesagt, bin ich keiner, der die Gelegenheit hat, sich Bücher im Laden anzulesen, denn die Bücher, die ich so lese, haben die gar nicht. Und im Internet bestellen, ohne reinlesen zu können, ist immer risikoreich, selbst mit einer Reihe von 5-Sterne-Bewertungen. Die Beschreibungen, die die Verlage und Autorinnen selbst verfassen, sind Marketing, keine Testberichte. Hier zählen dann nur die echten Rezensionen.

Bis da aber mal die erste Rezension eines deiner Bücher erscheint, musst du schon ziemlich bekannt sein – oder selbst jemanden kennen. Ich arbeite an beidem.

 

Der letzte Punkt, auf den ich noch eingehen möchte, ist das Marketing. Smashwords bietet hier einige interessante Hilfsmittel und Informationen an, die ich mir mal alle ansehen werde, wenn ich Zeit dazu habe, es handelt sich hier um mehrere Hundert Seiten.

Derzeit versuche ich nur auf facebook und Twitter Werbung zu machen, sowie auf meinem Blog und mal sehen, wie viel das bewirkt. Es empfiehlt sich jedenfalls, eine eigene Autorinnenseite im Internet zu haben, auf die mensch verlinken kann und wo auch zusätzliche Informationen zu finden sind. Und ganz wichtig ist die Vernetzung, die ja durch die sozialen Medien nicht mehr ganz so schwierig ist wie einst. Ich bin sehr froh, hier einige Communities (facebook, Foren, usw.) von deutschen Steampunk-Autorinnen, sowie (das ganze ohne ohne Bindestrich) Steamers und Autorinnen gefunden zu haben, die hier hilfreiche Hinweise geben können.

Nun aber zu den Erfahrungen der Anderen:

Ich leihe mir hier mal eine Umfrage5 zum Thema Selfpublishing aus dem Netz, bei welcher unter anderem Fragen nach Selfpublishing versus Verlag, nach den größten Fehlern beim Selfpublishing sowie nach Tipps zur Vermarktung gestellt wurde.

Ich verwende den Begriff Selfpublisher statt Selbstverleger, weil letzterer Begriff anders konnotiert ist, und, nur so als Hinweis, ich gendere dieses Wort auch ich nicht, es ist ohnedies schon schlimm genug, den englischen Begriff verwenden zu müssen, da sollte dieser nicht noch durch eine unzulässige Partikel verunstaltet werden. Ein anderer Begriff wäre „Indie“-Autorin, für „independent“, dieser klingt ähnlich sperrig. Doch nun zurück zur Umfrage:

Zum ersten Punkt, der Frage „Selfpublishing oder Verlag“. Hier finden Selfpublisher vor allem, dass sie ohne Verlag über ihre Werke selbst bestimmen können, sei es bezüglich des Verkaufspreises oder auchg der Verwertungsrechte. Selfpublishing bedeutet für sie Freiheit.

Als Vorteile eines Verlages werden das professionelle Lektorat und Korrektorat genannt sowie die Marketing-Möglichkeiten. Wobei im selben Atemzug dann auch wieder kommt, dass unbekannte Autorinnen von Erstlingswerken auch selbst Werbung machen müssten, da Verlage das in der Regel nicht im gewünschten Ausmaß besorgen. Und korrigieren können, wie ich ja schon erwähnte, auch die Freundinnen aus der Szene, da sind ja auch Profis dabei, die dir da auch schon mal kostengünstig aushelfen können.

Vor allem muss ein Verlag dein Buch auch mal nehmen, das ist ein weiteres Problem dabei. Und hier ist außerdem noch besondere Vorsicht geboten, denn derzeit geistern neben den herkömmlichen Verlagen auch die Book-on-demand-Verlage herum, bei denen schon mal für die Veröffentlichung je nach gewünschtem Service ordentlich in die Tasche gegriffen werden muss, sowie die DMZ-Verlage, die Druckkosten-Zuschuss-Verlage6, die noch mehr zur Kasse bitten, bevor sie ein Buch von dir veröffentlichen.

Dies betrifft natürlich nur gedruckte Bücher, keine eBooks. Ich möchte aber in dieser Sendung mal bei den eBooks bleiben.

Zum zweiten Punkt, den Fehlern, die so gemacht werden können beim Selfpublishing:

Hier wird vorrangig der zu hohe Preis genannt. Ich habe beim Durchsuchen der diversen Buchlisten entdeckt, dass aus irgend einem Grund deutschsprachige Autorinnen eher dazu neigen, höhere Preise für ihre eBooks zu verlangen als englischsprachige. Vielleicht hängt das ja mit der uns gewohnten Buchpreisbindung zusammen, die schon seit jeher alle Versuche, Bücher billiger zu verkaufen, unterbunden hat, und wir deshalb an teure Ausgaben gewöhnt sind?

Bei den Preisen ist es, so meint eine der Umfrageteilnehmerinnen, bei gedruckten Büchern wegen der Druckkosten nicht beeinflussbar, bei eBooks schon. Stimmt so nicht, habe ich festgestellt, denn wie gesagt, bei Smashwords z.B. kann ich nicht billiger als 99 cents werden, denn auch hier gibt es offenbar Kosten für die Vermittlung zu den Anbietern.

Ein weiterer Fehler ist es, ein unkorrigiertes Manuskript mit schlechtem Layout und miesem Cover zu veröffentlichen, oder eine Geschichte, der man es anmerkt, dass sie von anderen Autoren kopiert ist. Hierzu ein Zitat aus dem Marketing-Leitfaden von Smashwords: „With the power to publish comes the responsibility“, die Verantwortung auch ein gutes Werk abzuliefern.

Auch permanentes „Zuballern“ mit Werbung auf sozialen Medien und Foren wird als äußerst störend empfunden.

Und man sollte mit negativen Kritiken umgehen können.

Zuletzt die Meinungen zum Thema Vermarktung. Hier werden zunächst facebook und andere soziale Medien empfohlen, es gibt auch Foren und andere Internet-Plattformen mit „Leserunden“, selbst in Second Life existieren Lesungen, an denen man virtuell teilnehmen kann. Und dann gibt es natürlich noch die „richtigen “ Lesungen im echten Leben.

Anja Bagus empfiehlt für das Marketing: „Alle Kanäle, die man erreichen kann. Man sollte sich nicht zu fein sein und für alles offen sein.“7

Und damit das marketing auch viral wird, wie man das heute nennt, muss natürlich auch die Verwandtschaft kräftig die Werbetrommel rühren, alle Freunde (selbst facebook-Freunde) und auch die Hörerinnen dieser Sendung sollten dabei mittun. So zumindest der Plan.

Und automatisch hat mensch die Werbung von den Anbietern, über welche man das eBook beziehen kann. Und wenn man sieht, wie präsent z.B. Amazon bei Suchanfragen aller Art ist, sollte das, glaube ich, nicht unterschätzt werden.

Musik 4:

Grace Valhalla: Experience II, 4:06

 

 

Beitrag 4: Ausblick

Ein Thema, das bisher noch nicht beleuchtet wurde, ist jenes der Qualität. Seit es Selfpublishing gibt, nein, schon seit es Selbstverlage gibt, also noch zur analogen Zeit, als sich Jungautorinnen einfach bei der nächsten Druckerei mehrere Kisten ihres Buches drucken ließen, die dann über den Bekanntenkreis vertrieben wurden und meist zu drei Viertel im Keller vermoderten, also seit immer schon stellt sich die Frage nach der Qualität von selbst verlegten und vermarkteten Werken. Denn, wie schon erwähnt, normale Buchverlage bringen nur auf den Markt, was sie für vermarktenswürdig empfinden. Dass sie dadurch selbst die Qualitätsmaßstäbe vorgeben, störte Jahrhunderte lang nur wenige Menschen. Nun ist es aber, durch Selfpublishing die Leserin, welche die Qualität fest stellt, eine einfache Unterscheidung in „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“, und diese ist recht spontan. Was nicht bedeutet, dass sie nicht beeinflussbar wäre. Denn Bewertungen anderer Leserinnen sowie eine Rezension auf dem Lieblingsblog können hier zwischen „Daumen rauf“ und „Daumen runter“ entscheiden. Wurde also der absolute Qualitätsmaßstab der Verlage durch das relative Qualitätsempfinden des Publikums ersetzt?

Vermutlich nicht, oder noch nicht, würde ich meinen. Denn noch immer werden gedruckte Bücher von Verlagen verkauft, als Hardcover oder Paperback, aber auch als Hörbuch und eBook. Kundige Leserinnen können auch unterscheiden, ob es sich beim herstellenden Verlag um einen renommierter Buchverlag, einen Book-on-demand-Verlag oder einen Selfpublisher handelt und wissen, auf welche Qualität sie sich jeweils einstellen können. Doch auf lange Sicht wird es wohl „der Markt“ sein, welcher den Ausschlag gibt, und so werden es wohl die mit dem besseren Marketing sein, die sich besser verkaufen.

 

Leider bringt das der Neu-Autorin gar nichts, wenn sie herausfinden will, wie „gut“ ihr Buch denn nun wirklich ist. Bin ich nun der neue Goethe oder werden meine Bücher nur schnell mal im Bus gelesen, weil gerade nichts anderes zur Hand ist?

Will ich das überhaupt wissen? Oder will ich eh nur gemütlich viel Geld verdienen, indem ich Groschenromane schreibe, so einen pro Woche?

Apropos Geld verdienen: wenn ich in den USA die große Kohle scheffle, müsste ich auch dort Mehrwertsteuer zahlen. Als Steuerausländerin kann ich aber um eine Steuerbefreiung ansuchen, dazu müsste ich allerdings zunächst mal meinen Reisepass nach Wien auf die US-Botschaft schicken, damit mir die eine beglaubigte Kopie anfertigen, welche ich dann mit dem Antragsformular in die USA zur Steuerbehörde schicke. Offenbar gibt es allerdings für Unternehmen (die ja keinen Reisepass haben) eine andere Lösung, die erstens per Fax und zweitens in wenigen Minuten funktioniert. Und anscheinend gilt man als Schriftstellerin auch als Unternehmerin. Darüber mache ich mir aber erst ernsthafte Gedanken, wenn ich mal was verdiene mit meinen Werken.

Zu diesem Thema noch ein kleiner Hinweis:

Es gibt natürlich nicht nur Smashwords, auch in Deutschland stehen ähnliche Dienste zur Verfügung, wie etwa Neobooks und XinXii. Aus praktischer Erfahrung kann ich derzeit noch keinen empfehlen, habe mich aber bei beiden mal angemeldet. Man muss hier die Konditionen vergleichen: was bleibt dir unterm Strich als Gewinn übrig, und was bekommst du dafür, etwa an Werbemaßnahmen? Über welche Anbieter wird vertrieben? Welche Zusatzleistungen kannst du erwarten? Usw.

Zum Abschluss möchte ich doch noch kurz auf meine jüngst veröffentlichte Short story zurück kommen:

eigentlich hatte ich nicht vor, sie noch gewaltsam vor der Sendung zu veröffentlichen, um darüber heute reden zu können, sogar im Gegenteil. Ich hatte bis vorigen Samstag keine Ahnung, worüber ich die Sendung überhaupt machen soll. Die Veröffentlichung war eher deshalb nötig, um das Projekt abgeschlossen zu haben, damit ich ein neues beginnen kann. Dass daraus dann die Sendung entstand, war dann eher Zufall.

 

Trotzdem, nun ist sie raus, und ihr könnt sie über diesen Link bestellen, und exklusiv für euch hinterfragt-Fans gibt es sogar einen Promotions-Code, damit ist die Geschichte für euch kostenlos. Dieser lautet TU32G und ist gültig bis 30.April 2014.

 

 

Musik 5:

Bureau of Broken Sounds: Echo chamber, 3:56

 

 

Abmoderation:

So, aber nun genug hinterfragt für heute. Ich danke euch herzlich fürs Zuhören und hoffe, die Sendung hat euch wieder gefallen.

 

Und nochmals der Hinweis die Internet-Seiten zur Sendung:

Kritik, sowohl negative als auch positive, Wünsche und Anregungen könnt ihr gerne an mich per eMail senden: radio@hinterfragt.at.

Und wer die Sendung nachlesen möchte: die begleitende Website ist zu finden unter hinterfragt.at, dort findet ihr auch alle Links, könnt Kommentare zur Sendung abgeben oder auch den Newsletter abonnieren. Außerdem könnt ihr mir auch auf Twitter folgen @hinterfragtAT oder auf Facebook unter hinterfragt.

 

Und nun verabschiede ich mich und wünsche euch noch eine gute Zeit.

Das war Ewald Strohmar-Mauler mit der Sendung hinterfragt. Das kulturwissenschaftliche Magazin live auf FREIRAD 105.9, dem Freien Radio in Innsbruck.

 

Abspannmusik

conFusion Catwalk (bonus track) (Bruno BERNARD) 08:54

 

Sendung anhören

 

1Becker, Sabina, Christine Hummel, and Gabriele Sander. Grundkurs Literaturwissenschaft. Stuttgart: Philipp Reclam, 2006. Print.

2http://www.merriam-webster.com/dictionary/short%20story, 5.4.2014

3wie Anm. 1

4ebd.

5http://gnomunser.familygaming.de/?p=533

6vgl. z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Zuschussverlag,5.4.2014

7ebd.

 

 

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