Sendung vom 9.Dezember 2014: La Paloma

Ich begrüße euch, liebe Hörerinnen von FREIRAD, dem freien Radio Innsbruck! Am Mikrofon ist wieder Ewald Strohmar-Mauler mit einer neuen Ausgabe von „hinterfragt.“, dem kulturwissenschaftlichen Magazin.

Die heutige Sendung trägt den Titel: La Paloma

Ich werde aber weder einen Spanisch-Crashkurs halten noch über Tauben sprechen, sondern über ein Lied, das vermutlich jede von euch kennt. Es handelt sich nämlich um das angeblich meist verbreitetete Lied der Welt: La Paloma Azul, die blaue Taube. Dass sich hinter diesem umscheinbaren Titel einige spannende Fakten verbergen, dürft ihr annehmen, sonst könnte ich ja daraus auch gar keine ganze Sendung machen.

Wobei, alleine die Versionen des Liedes, die ich bisher gesammelt habe, würden alleine schon den Sendeplatz von 3-4 Sendungen füllen, ohne ein gesprochenes Wort dazwischen.

Natürlich werde ich heute aber nicht nur über dieses Lied sprechen, sondern auch einige Versionen davon vorspielen. Dies bricht natürlich mit meiner Tradition, nur Creative Commons Musik zu spielen, doch erstens werden ie Lizenzgebühren ja hier bei Freirad ohnedies pauschal abgegolten, sodass ich kein schlechtes Gewissen haben muss, und zweitens sollten meiner Ansicht nach Musikeinspielungen zu Schulungs- und Demozwecken rechtlich genauso wie Zitate gehandhabt werden, spiele ein Stück davon und nenne die Quelle.

So, genug eingeleitet, es geht gleich zu Beginn los mit einer Version von La Paloma, damit ihr mal wisst, worum es geht. Hier eine Version mit dem spanischen Originaltext, gesungen von der großen Sopranistin Victoria des los Angeles, in einer interessanten Instrumentalbesetzung, die meiner Meiung nach dem entspricht, was sich wohl der Komponist so vorgestellt hat. Doch darüber erzähle ich gleich mehr, im Anschluss an das Lied.

Musik:

Victoria des los Angeles 5:09

Teil 1: Überblick

Nach dieser La-Paloma-Interpretation einer Opernsängerin kann sich vielleicht kaum jemand von euch vorstellen, dass dieses Lied eines der oder sogar das meist gespielte Lied der Welt ist. Doch vielleicht kennen einige von euch folgende Version:

[Hans Albers anspielen 1’max]

Hier also Hans Albers in der deutschen Seemanns-Version aus den 1930er Jahren.

Aber auch Dean Martin hat das Thema aufgegriffen:

[Dean Martin anspielen 30“ max]

Sowie Nana Mouskouri und Mireille Matthieu:

[Nana Mouskouri und Mireille Matthieu anspielen 30“ max]

Weitere Schlager-Versionen existieren etwa von Freddy Quinn,

[Freddy Quinn ca 2:20 anspielen]

Benjamino Gigli, Rudolf Schock, Elvis Presley , Caterina Valente, Roy Black, Jerry Lewis, Richard Tauber, Peter Kreuder, Josef Schmidt, Rene Kollo, Ivan Rebroff, Nina Hagen, Vico Torriani, Al Martino, Julio Iglesias, , Karel Gott, Semino Rossi, Heino, und vielen mehr. Und in allen möglichen Sprachen: neben Spanisch, Englisch, Französisch und Deutsch auch in Portugiesisch, Italienisch, Rumänisch, Russisch, Japanisch, Koreanisch, usw.

Doch ich bin ja überhaupt kein Schlager-Fan, ich wurde auf La Paloma eigentlich durch folgende Version aufmerksam:

[Brubeck anspielen und dann faden]

Ja, das ist Dave Brubeck, dann ich bin ja im Jazz eher zu Hause als in anderen Musikrichtungen. Ich hatte mir also diese Brubeck-CD gekauft und war dann verwundert, dass ein Lied mit dem spanischen Titel »La Paloma Azul«, Klammer »The Blue Dove«, dabei war. Vermutlich hatte ich ihn das ja auch schon öfter mal spielen gehört, aber einmal fiel mir eben der Name des Stückes auf. Und die Nummer selbst entwickelte sich bei mir dann zum Ohrwurm, sodass ich da einfach weiter recherchieren musste.

Ich bin da übrigens nicht der Erste, es gibt eine ganze DVD von der deutschen Dokumentarfilmerin Sigrid Faltin über das Lied, plus einem vergriffenen Buch, der Website lapalomaproject.com, mehreren Tonträgern mit gesammelten Lapalomas, usw.

Apropos Jazz, ich habe da auch noch andere interessante Versionen gefunden, es gibt da nämlich auf archive.org ein Archiv von uralten 78er Schallplatten-Aufnahmen, die schon so alt sind, dass sie nicht mehr unter Copyright fallen. Hier zB Gene Austin aus ca. 1930:

[Gene Austin anspielen]

Ihr sehr also, diese Musik ist so flexibel, sie kann an vermutlich alle Stile angepasst werden. Einige andere Varianten werde ich im Laufe der Sendung natürlich noch spielen.

Hiphop-, Rap- oder Metal-Version habe ich leider noch keine gefunden, vielleicht entdeckt ja jemand von euch eine für meine Sammlung?

Nun eine reine Gitarren-Version von Heike Matthiesen, auf Twitter als Gitarra bekannt.

Musik:

Heike Matthiesen, La Paloma 1:57

Teil 2: Einblick

Doch nun würde ich gerne mal einiges über die Entstehung von La Paloma erzählen.

Komponiert wurde das Stück ungefähr im Jahre 1860 von Sebastián Iradier y Salaverri, geboren am 20 Jänner 1809 im spanischen Baskenland. Wir wissen eigentlich nicht besonders viel über sein Leben.1 Er hat Klavier und Orgel zu spielen gelernt, war Organist in verschiedenen Kirchen. Neben der religiösen interessierte ihn vor allem die regionale Volksmusik. Diese wurde auch gerne in den Salons der baskischen Bourgeoisie gegeben, und zwar auf Gitarre und Orgel. Iradier ging später nach Madrid, studierte dort Komposition und machte sich in dern höchsten Kreisen beliebt. Er unterrichtete als Professor am Colegio Universal de Madrid, wurde stellvertretender Leiter der Academia Filarmónica Matritense und Ehrenmitglied der Academia Filarmónica de Bayona sowie erster Gesangsmeister am Real Conservatorio de Música de Madrid. Nebenher unterrichtete er auch Studenten, welche zu mittellos für einen regulären Unterricht am Konservatorium waren.

Ab den 1850 reiste Iradier dann vermehrt, war etwa in Paris, New York, Boston, Philadelphia, New Orleans, Mexiko und La Habana. Dann wieder zurück nach Europa, London, Paris und wieder nach Spanien. Über die letzte Zeit seines Lebens weiß man wenig, anscheinend hat ihn eine Krankheit dahin gerafft, Sebastián Iradier stirbt am 6. Dezember 1865.

Iradier war zu seiner Zeit auch über Spaniens Grenzen hinaus durchaus als Komponist vieler damals bekannter Lieder berühmt, und sogar die Habanera in Bizets Carmen ist eine überarbeite Variante eines Iradier-Liedes. Und doch kennt mensch heute Sebastián Iradier eigentlich nur mehr als den Komponisten von La Paloma.

Das Lied ist eine so genannte Habanera, eine Komposition im 2/4 Takt, die hauptsächlich mit jeder Menge Achtelnoten, punktierter Achtel und Sechzehntel den Rhythmus aufbaut und einer Bewegung, die »einem Schaukelstuhl ähnelt« (übersetztes Zitat aus einer online abzurufenden Monografie)2. Diese Liedart war im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert in Spanien und auch in Frankreich äußerst beliebt.

Und wenn wir schon bei der formalen Analyse sind – vielleicht noch ein kurzer Blick auf den Text des Liedes. Die erste Frage, die sich hier stellt: welchen?

Es existieren vom spanischen Originaltext mehrere leicht abweichende Versionen, hinzu kommen die diversen mehr oder weniger wörtlichen Übersetzungen in die erwähnte Vielfalt von Sprachen, weiters natürlich viele Umdichtungen (Stichwort Seemannslied) und zumeist politisch motivierte Spottversionen.

Letra original de Iradier

Cuando salí de La Habana, válgame Dios,

nadie me ha visto salir si no fui yo.

Y una linda guachinanga que me siguió,

que se vino detrás de mí, sí, mi señor.

Si a tu ventana llega una paloma,

Trátala con cariño que es mi persona.

Cuéntale tus amores, bien de mi vida,

Corónala de flores, que es cosa mía.

Ay, chinita, que sí. Ay, que dame tu amor,

Ay, que vente conmigo, chinita,

A donde vivo yo.

Und hier meine deutsche Übersetzung:

Als ich Havanna verließ, Gott helfe mir,

hat mir niemand dabei zugesehen, ob es so wär‘,

Eine schönes Mädchen, das mir folgte,

ließ ich hinter mir, ja, so war es.

Wenn durch dein Fenster eine Taube fliegt,

behandle sie so gut, als wäre ich es,

erzähle ihr von deiner Liebe, du Güte meines Lebens,

bekränzt mit Blumen, wie es meine Art ist.

Oh Süße, oh ja. Oh, gib mir deine Liebe,

Oh, könntest du doch mitkommen, Süße,

wo ich zu Hause bin.

Da ich mich mich mit Bildanalyse mehr auskenne als mit der Bestimmung von Sprachkonstrukten, also ich weiß nicht, ob das Lied jetzt im odontologischen Trochäus gereimt ist oder solche Dinge, ich lasse lieber Bilder in meinem Kopf entstehen und spiele mit diesen herum.

Vordergründig ein harmoses Liebeslied also, ein Lied der Sehnsucht, wie so viele. Es ist aber eine Sehnsucht, die es geschafft hat, um die Welt zu reisen – wieso? Oder, wieso wird gerade dieses Lied, und kein anderes, in Sansibar auf Hochzeiten gespielt?

Das Bild der Taube ist ja ein sehr altes Symbol. Der biblische Noach freute sich einen Haxen aus, als endlich die Taube zurückkehrte, um ihm Land zu verheißen. Die Taube ist ein Friedenssymbol, und auch ein Symbol der Liebe – mensch spricht ja auch von Turteltauben. Also lauter nette Dinge, die der Taube nachgesagt werden. Und auch einen untrüglichen Orientierungssinn sollen sie haben, siehe Brieftauben, die verläßlicher zurückkehren als jeder Bumerang.

Wenn also der Liebsten eine Taube ins Fenster flattert, so meint der Ich-Erzähler, möge sie dieser doch berichten, wie es um ihre Liebe steht. Diese ist ihm wichtig, er bekränzt seine Liebste ja auch mit Blumen, und er wünschte, sie wäre bei ihm. Und nein, selbst andere schöne Mädchen interessieren ihn nicht.

Also vordergründig nichts Besonderes, ein nettes Liedchen eben. Harmlos, regt nicht besonders zum Nachdenken an, beschwört keine großartigen Emotionen herauf.

Aber es wird hier doch eine Erfahrung berichtet, die in irgend einer Weise wohl schon jede und jeder von uns durchgemacht hat, sei es auf der einen oder der anderen Seite des Botenvogels. Und, natürlich handelt es sich bei La Paloma um eine sehr eingängige Melodie, einen Ohrwurm. Zwei Elemente also, die sich doch offenbar sehr positiv auf einer emotionalen Ebene durchsetzen. Wobei ich doch denke, dass es vordergründig die Melodie ist, welche diese enorme Wirkung ausübt.

Doch der Text hat bei näherer Betrachtung doch auch einiges zu bieten. Es gibt da nämlich eine »Episode aus den griechisch-persischen Kriegen aus dem Jahre 492 v. Chr., als die Flotte des persischen Admirals Mardonios direkt vor der griechischen Küste am Berge Athos im Sturm zerschellte. Die Griechen beobachteten die Tragödie vom Land aus, und sie sahen mit Erstaunen, daß sich – parallel zu den Todesschreien der ertrinkenden Matrosen – Schwärme schneeweißer Tauben von den untergehenden Schiffen erhoben, Vögel, die bisher in der Ägäis unbekannt gewesen waren. Fortan galt die Überzeugung, daß weiße Tauben die Seelen der auf dem Meer umgekommenen Seeleute verkörperten, daß sie Liebesboten seien, die den Angehörigen daheim einen letzten Gruß der Untergegangenen überbringen.« (Zitat aus dem Archiv3 der ‚Jungen Freiheit‘ vom 23. Januar 2004).

Doch ich möchte euch auch noch einige Zusammenhänge aus der Geschichte ebenfalls nicht vorenthalten, die, wenn auch nicht unmittelbar, mit La Paloma zu tun haben.

Es spielten sich nämlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Mittelamerika einige revolutionärer Begebenheiten ab. So auch der Krieg zwischen Frankreich und Mexiko, welches seit 1857 ein eigenständiger Staat war, welcher aber stark verschuldet war uns seine Schulden nicht begleichen konnte. Daher war eine Invasionsstreitmacht von Franzosen, Briten und Spaniern in Veracruz eingefallen. Die Spanier und Briten zogen sich aber bald zurück, als sie merkten, was der französische Kaiser Napoléon III. vorhatte. Er errichtete nämlich ein neues mexikanisches Kaiserreich mit dem österreichischen Erzherzog Ferdinand Maximilian als Galionsfigur, welchen er 1864 als Kaiser Maximilian I. von Mexico einsetzte. Dieser wurde vom mexikanischen Volk, welches sich mittlerweile schon einige Jahre an Freiheit und eine Demokratie gewöhnt gehabt hatte, aber vollkommen abgelehnt und 1867 letztlich abgesetzt und erschossen.

Maximilians Gattin Carlota hatte die Melodie der Paloma gehört und war so begeistert von diesem Stück, dass sie es bei allen Anlässen im Palast aufführen ließ. Dies veranlasste wohl das mexikanische Volk, bei welchem La Paloma auch sehr beliebt war, einige Zeilen des Liedes spöttisch umzudichten.

Nachdem wieder der demokratische Zustand in Mexiko hergestellt war, wurde die Sängerin Concha Mendez, welche schon die Kaiserin begeistert hatte, gebeten, bei einer triumphalen Veranstaltung im neu erbauten Nationaltheater das Lied mit dem veränderten Text zu singen, worauf sich diese aber aus Zuneigung für die Ex-Kaiserin aber weigerte. Soweit die Geschichte, es folgen noch einige »Geschichterln«:

In einem Film aus dem Jahre 1939 über Benito Juárez, den mexikanischen Revolutionär und späteren Präsidenten, wird La Paloma auch als Symbol der Liebe zwischen Maximilian und Carlota verwendet.

Ein anderes Geschichterl ist es, dass La Paloma bei der Verschiffung des Sarges des Kaisers Maximilians I. nach Österreich gespielt wurde. Die österreichischen Marine-Offiziere (deren Kommandeur er mehre Jahre lang war) gaben darauf hin den Befehl aus, dass La Paloma nie wieder auf einem österreischichen Kriegsschiff gespielt werden durfte. Angeblich halten sich sogar heute, auch wenn wir keine Kriegsmarine mehr haben, zivile Schiffe unter der österreichischen Flagge an diesen Brauch.

Wenn auch der Komponist Sebastián Iradier eigentlich gar nichts mit dem mexikanischen Kaiserreich zu tun hatte – sein Lied La Paloma wirkt also sogar in die Wirren dieser kriegerischen Epoche der mexikanischen Geschichte hinein.

Doch nun wieder ein Stückchen Musik.

Die La Paloma Version von Concha Mendez habe ich natürlich nicht im Internet gefunden, aber eine Aufnahme aus 1938 von Rosita Serrano.

Musik:

Rosita Serrano, La Paloma 3:22

Zwischenmoderation

Für alle, die sich erst später zugeschaltet haben:

Hier ist „hinterfragt„, das kulturwissenschaftliche Magazin live auf FREIRAD, dem freien Radio Innsbruck! Mein Name ist Ewald Strohmar-Mauler.

Das heutige Thema ist La Paloma, das Lied, das um die Welt ging.

Bisher habe ich ein wenig aus der Geschichte des Liedes und seines Komponisten, Sebastián Iradier, erzählt, und einige Versionen des Liedes selbst gespielt, nun geht es weiter mit der Rezeption des Liedes und seiner Wirkungsgeschichte. Hierzu gleich ein Beispiel:

Eugénia León, La Paloma juarista live 5:25

Teil 3: Seitenblick

Das war ein hervorragendes Beispiel dafür, wie ein Lied, welches eigentlich von einem klassischen Komponisten für ein gehobenes Publikum im bürgerlichen Salon geschrieben wurde, also eigentlich zur leichten Unterhaltung, zum verstohlenen Mitschunkeln unterm Rüschenkleid, wie also ein solches Lied durchaus das Zeug zu einer revolutionären Hymne hat.

Mexiko, ein Land, das sich frei gemacht hat von der europäischen Herrschaft, eine der beispielhaften Demokratien des 19. Jahrhunderts, dann wieder kurzfristig den Plänen eines der größenwahnsinnigen Napoleons im Weg, und genau in diese Zeit fällt die Entstehung eines Liedes, eines Ohrwurms für die Machthaber und das Volk gleichermaßen. Das Lied hat ja eigentlich nichts mit Mexiko zu tun, obwohl manche Quellen angeben, es wäre dort uraufgeführt worden. Nun, La Paloma hat ihren Weg jedenfalls nach Mexiko gefunden und entwickelte sich dort zum, wie früher zu sagen pflegte, zum Gassenhauer. Alle kannten es, alle sangen oder spielten es, meist auf der Gitarre und anderen traditionellen Instrumenten.

Hier ein Beispiel aus dem Jahre 1905:

[Banda des zapadores de Mexico 2:18 anspielen max 1′ ]

Bedingt durch diese riesige Popularität (wir bleiben einstweilen in Mexiko) ist es auch nicht verwunderlich, dass der Text allerlei Umdichtungen erfuhr. So lautet etwa die auf die politischen Verhältnisse in Mexiko umgedichtete »juaristische« Version:


El Año 64 !válgame dios!

Estábamos en la guerra de intervención

La danza de la paloma hacia furor

En medio de los desastres de la nación.

Maximiliano con todos sus traidores

Se creían invencibles los invasores

El presidente Juárez y sus patriotas

No se desanimaban con las derrotas.

Se vino el invasor por toda la nación

Ay, destruyendo nuestros hogares sin tener compasión

Y en la nueva centuria !válgame dios!

Sufríamos nuevas guerras e imposición.

y fuego llovía del cielo sin compasión

matando a gente buena sin distinción


Si a tu frontera llega una paloma,

cuida que se no sea buitre lo que se asoma,

¡cuánta falta nos hace Benito Juárez!,

para desplumar aves neoliberales…


¡No te quiebres país! ¡Aquí está mi canción!

¡Que un águila y una serpiente defienden a esta nación!


¡Ay! Palomita de ayer y hoy,

contra el racismo y la intervención

Vuela paloma a las fronteras

cuida la raza que ahora pelea

que no queremos imperialismos

estamos hartos de su cinismo

que nuestros aires son soberanos

¡somos humanos y mexicanos!


Übersetzung4

Im Jahr (18)64, mein Gott,

steckten wir mitten im Interventionskrieg.

Der Tanz La Paloma sorgte für Furore,

inmitten der Katastrofe für unser Land.

Maximilian mit all seinen Verrätern

hielten sich für unbesiegbare Invasoren.

Präsident Juárez und seine Patrioten

ließen sich von Niederlagen nicht entmutigen.

Der Invasor suchte die ganze Nation heim.

Oh!, sie zerstörten unsere Häuser gnadenlos.

Im neuen Jahrhundert, mein Gott,

Leiden wir unter neuen Kriegen und Einmischung.

Vom Himmel regnete es Feuer gnadenlos,

das gute Menschen tötete, einfach so.

Wenn an Deine Grenze eine Taube kommt,

Paß auf, dass es kein Aasgeier ist, der sich da anschleicht.

Wie sehr fehlt uns Benito Juárez

Um die neoliberalen Vögel zu rupfen.

Zerbrich nicht, mein Land! Hier ist mein Lied,

damit Adler und Schlange (unsere Wappentiere)

dieses Land verteidigen.

Ach, kleine Taube, gestern und heute,

gegen Rassismus und Intervention

fliege, Taube, an ihre Grenzen,

raube ihnen einen Stern aus ihrer Flagge.

Wir wollen keinen Imperialismus

Wir haben ihren Zynismus satt.

Unser Himmel ist frei

Wir sind Menschen und Mexikaner!

Oder Eugenia Léon, eine bekannte mexikanische Sängerin, die sich politisch für die Linken engagiert, singt nicht nur jene juaristische Version immer wieder gern bei Konzerten, sondern auch in in einer ganz modernen Version:

»Ach, kleine Taube von gestern und von heute,

die gegen Rassismus und Einmischung kämpft,

flieg, Taube, an die Grenzen,

und paß‘ auf Deine Leute auf,

die im Irak getötet werden.«

Obwohl Mexiko eine Beteiligung im Irakkrieg ablehnte, kamen viele US-Soldatinnen mexikanischer Abstammung dort zu Tode.

Doch diese Tradition der Umdichtung, der Verarbeitung aktueller politischer Verhältnisse im Lied, ist schon älter: die bereits erwähnte Spottversion auf Kaiser Maximilian lautete etwa: »Wenn an deinem Fenster ein magerer Esel landet«, also statt der Taube landet Maximilian, und zwar in Mexiko, nicht bei der Geliebten. Obwohl ja Maximilian durchaus der Meinung war, dass ihn die Mexikaner sehnsüchtig erwartet hätten. So hatte er der mexikanischen Delegation die gefälschte Volksabstimmung zu seinen Gunsten bedenkenlos ab- und daher die Krone begeistert angenommen. Das natürlich auch, weil er in Österreich auf alle Herrschaftsansprüche hatte verzichten müssen, um seinem Bruder Franz Joseph nicht im Weg zu stehen. Eine gewisse Tollpatschigkeit und Weltfremdheit kann mensch bei Maximilian irgendwie nicht übersehen, und ich persönlich habe auch einiges an Mitleid mit ihm, zumal einer meiner Vorfahren bei ihm anno dazumal als Gutsverwalter angestellt war. Aber das ist eine andere Geschichte, die sicherlich auch noch mal erzählt werden wird.

In weiterer Folge haben auch diverse Einmischungskriege in der spanischsprachigen Welt die Resistenzbewegungen zur Verwendung dieses Liedes mit immer anderen Texten animiert. Und das Thema, so umgetextet es auch sein mag, befindet sich stets im Spannungsbogen zwischen Liebe und Tod, Abschied und Wiederkehr, Sehnsucht und Erfüllung.

Eine Version, die dieses Thema wider Erwarten ebenfalls aufnimmt, ist jene des deutschen Filmemachers Helmut Käutner, welcher im Jahre 1944 im Film »Große Freiheit Nr.7« die von Hans Albers gesungene Version zur Aufführung brachte, welche ich eingangs schon spielte. Das Dritte Reich befand sich in den ersten Zügen seiner Auflösung, und Albers sang:

»Ein Wind weht von Süd

und zieht mich hinaus auf See,

mein Kind, sei nicht traurig,

tut auch der Abschied weh.

Mein Herz geht an Bord

und fort muß die Reise gehen.

Dein Schmerz wird vergehen

und schön wird das Wiedersehen.«

Das ginge ja noch, aber Zeilen wie: »Einmal muß es vorbei sein.« Oder »Dann winkt mir der Großen Freiheit Glück«, das grenzt schon ziemlich an Subversion, vor allem da Albers und Käutner ohnedies auf der schwarzen Liste des Propagandaministerium standen. Der Film hätte ja »Große Freiheit« heißen sollen, Käutner hatte dann sicherheitshalber noch »Nr.7« angehängt, damit es eine harmlose Hamburger Adresse ergab anstatt der Nahtoderwartung des Dritten Reichs.

Und ähnlich subversiv geht es weiter:

»Jetzt heißt es auf Gott vertraun.

Seemann gib acht, dann strahlt auch als Gruß des Friedens,

hell in der Nacht das leuchtende Kreuz des Südens.

Schroff ist ein Riff, und schnell geht ein Schiff zugrunde,

früh oder spät schlägt jedem von uns die Stunde.«

Gott anstatt des Führes anzurufen und mitten im Krieg von Frieden statt vom Endsieg zu träumen, das war ja wohl zu viel. Propagandaminister Goebbels schickte den Großadmiral Dönitz, anscheinend zuständig für Filme, die im, am oder über dem Wasser spielten, zur Vorbesichtigung des Filmes. Daraufhin durfte die Uraufführuing nur mehr in Prag statt im Deutschen Reich stattfinden, wo bloß eine geschnittene Fassung gezeigt werden durfte, schließlich wurde der Film dann doch im Jahre 1945 verboten. Na ja, zu spät, Goebbels hatte bald nichts mehr zu sagen, Hans Albers dagegen wurde mit La Paloma zum Star.5

Doch genug von der politischen Paloma.

Ein Star ist auch Paco de Lucia, und zwar auf der Gitarre, dessen Version spiele ich jetzt:

Musik:

Paco de Lucia. La Paloma 2:18

Teil 4: Ausblick

Abschließend möchte ich nochmals auf die Seite lapalomaproject.com verweisen, der ich einige brauchbare Anregungen für die Beschäftigung mit dem Lied und natürlich für diese Sendung entnommen habe. Kernprojekt ist ja die filmische Dokumentation von Sigrid Faltin, »La Paloma. Sehnsucht. Weltwelt.«. Diese bringt viele Interviews mit Menschen, die irgend etwas mit La Paloma zu tun haben, Musikerinnen, Sammlerinnen von La-Paloma-Versionen, Historikerinnen, und viele mehr. Doch hauptsächlich Musikerinnen, die über eine je andere Seite des Liedes berichten, das um die Welt ging. Ergänzt wird das Ganze dann um eine Sammlung von La Paloma Versionen auf mittlerweile sechs CDs.

Aber natürlich ist La Paloma auch in anderen Medien präsent.

Die »World Socialist Web Site«6 betitelt es mit »ein internationales Lied«, , die »Zeit online«7 schreibt von »Heimweh für alle«, und »Public Radio International«8 bringt es in einem Beitrag zum »Cinco de Mayo«, dem 5. Mai, an dem Mexiko seine Unabhängigkeit feiert – natürlich mit La Paloma.

[anspielen ca. 1 min]

Zum Abschluss die Version, welche auf Sansibar nach einer Hochzeit gespielt wird:

»Meine Damen und Herren,

wir sagen auf Wiedersehen,

all denen, die heute abend dabei waren.

Möge jedes böse Wort vergeben sein,

möge keiner beleidigt oder traurig sein.

Wir wünschen Euch eine gute Nacht,

wir beten, daß Ihr weiterhin

beschützt sein möget.9«

Die Version habe ich leider nicht auf Tonträger, daher möget ihr mir verzeihen, wenn ich wieder eine jazzige Interpretation spiele.

Musik:

Charlie Parker, La Paloma 2:41

Abmoderation

So, aber nun genug hinterfragt für heute. Ich danke euch herzlich fürs Zuhören und hoffe, die Sendung hat euch wieder gefallen.

Und nochmals der Hinweis auf die Internet-Seiten zur Sendung:

Kritik, sowohl negative als auch positive, Wünsche und Anregungen könnt ihr gerne an mich per eMail senden: radio@hinterfragt.at.

Und wer die Sendung nachlesen möchte: die begleitende Website ist zu finden unter hinterfragt.at, dort findet ihr auch alle Links, oder könnt Kommentare zur Sendung abgeben. Außerdem könnt ihr mir auch auf Twitter folgen @hinterfragtAT oder auf Facebook unter hinterfragt.

Das war Ewald Strohmar-Mauler mit der Sendung hinterfragt. Das kulturwissenschaftliche Magazin.

immer am zweiten Dienstag im Monat um 20 Uhr auf FREIRAD, dem Freien Radio Innsbruck, und die Wiederholung am 4. Donnerstag um 9 Uhr Vormittag.

Und nun verabschiede ich mich und wünsche euch noch eine gute Zeit.

Abspannmusik

Ukulele & Guitar Version 6:51

Sendung anhören

1 http://www.orcam.org/monograficos/19_yradier.pdf

2 Ebd.

3 http://jungefreiheit.de/service/archiv/?www.jf-archiv.de/archiv04/054yy44.htm

4 http://www.lapalomaproject.com/index.php?page_id=95&lang=de

5 (siehe auch http://www.spiegel.de/einestages/subversiver-schlager-a-948624.html)

6 https://www.wsws.org/de/articles/2008/08/palo-a26.html

7 http://www.zeit.de/2008/28/La-Paloma

8 http://www.pri.org/stories/2011-05-05/song-cinco-de-mayo

9 Q: lapalomaproject.