Sendung vom 10. März 2015: Was soll die Presse dürfen?

Ich begrüße euch, liebe Hörerinnen von FREIRAD! Am Mikrofon ist wieder Ewald Strohmar-Mauler mit einer neuen Ausgabe von „hinterfragt.“, dem kulturwissenschaftlichen Magazin.

Die heutige Sendung trägt den Titel:

Was soll die Presse dürfen?

Dieser etwas sperrige und vermutlich grammatikalisch auch nicht ganz richtige Titel umschreibt die Tatsache, dass die menschenrechtlich garantierte Presse- und Meinungsfreiheit von mehreren Seiten bedroht wird, die alle meinen, zu wissen, was die Presse dürfen darf, soll oder muss… und was nicht.

Ich hatte ja geplant, im Jänner anlässlich des Anschlages auf das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo eine Sendung zu machen, diese ist ja leider ausgefallen. Teile des Skripts werde ich aber in der heutigen Sendung verwenden. Denn auch wenn der Anschlag schon zwei Monate her ist, und vielleicht von vielen Menschen schon wieder vergessen wurde, das Thema ist nach wie vor aktuell.

Ich werde also heute hinterfragen, wie sehr das Menschenrecht auf Presse- und Meinungsfreiheit an Grenzen stoßen kann, welche Grenzen das sein können, welche Gefahren daraus erwachsen, sowohl für die betroffenen Journalistinnen als auch für die Allgemeinheit.

Diese Sendung ist allen Journalistinnen, Pressefotografinnen, Karikaturistinnen, Redakteurinnen und anderen Personen gewidmet, die im Zuge Ihrer Tätigkeit für die Pressefreiheit ihr Leben lassen mussten:

Stellvertretend für diese seien die Namen der zwölf Menschen genannt, welche am 7.1.2015 bei Charlie Hebdo starben, in alphabetischer Reihenfolge nach Vorname:


Ahmed Merabet, Polizist
Bernard Maris, Kolumnist bei Charlie Hebdo
Bernard Verlhac (Tignous), Zeichner bei Charlie Hebdo
Elsa Cayat, Kolumnistin bei Charlie Hebdo
Franck Brinsolaro, Polizist
Frédéric Boisseau, Reinigungskraft bei Charlie Hebdo
Georges Wolinski, Zeichner bei Charlie Hebdo
Jean Cabut (Cabu), Zeichner bei Charlie Hebdo
Michel Renaud, war zu Gast bei Charlie Hebdo
Mustapha Ourrad, Redakteur bei Charlie Hebdo
Philippe Honoré, Zeichner bei Charlie Hebdo
Stéphane Charbonnier (Charb), Zeichner und Chefredakteur von Charlie Hebdo

Bevor ich nun mit meinen Überlegungen zum Thema beginne, würde ich gerne eine Gedenkminute einlegen, für die Opfer von Charlie Hebdo vom Januar 2015 ebenso wie für alle anderen Journalistinnen und anderen Mitarbeiterinnen von Presseeinrichtungen, die in Ausübung ihrer Tätigkeit umgekommen sind.

Da ich aus technischen Gründen keine Minute Stille halten kann, weil sonst automatisch die Übertragung der Sendung abgebrochen wird, habe ich etwas Akustisches zusammen gestellt.

Musik:

Journalists_commemorative_minute_v3 1:00

Teil 1: Überblick

Zitat1 aus der »Jahresbilanz 2014 der Pressefreiheit« von »Reporter ohne Grenzen«:

Angriffe auf Journalisten 2014

Deutlich mehr Journalisten entführt, doppelt so viele wie 2013 ins Ausland geflohen. Zahl der getöteten Journalisten weiterhin hoch

Journalisten müssen immer öfter damit rechnen, bei ihrer Arbeit entführt zu werden: Im zu Ende gehenden Jahr hat Reporter ohne Grenzen weltweit 119 Entführungen von Journalisten gezählt – 37 Prozent mehr als 2013, als diese Zahl schon einmal deutlich gestiegen war. Das geht aus der am 16. Dezember veröffentlichten Jahresbilanz der Pressefreiheit 2014 hervor. Mehr als verdoppelt hat sich die Gesamtzahl der Journalisten (139) und Bürgerjournalisten (20), die vor Drohungen, Gewalt oder staatlichen Repressalien ins Ausland fliehen mussten. 66 Journalisten und damit etwas weniger als 2013 wurden wegen ihrer Arbeit getötet, ebenso 19 Bürgerjournalisten und elf Medienmitarbeiter.

(Zitat Ende)

Und die bisherige Statistik2 für 2015 lautet:

14 Journalistinnen getötet

158 Journalistinnen und 13 Assistentinnen in Haft

Und auch Menschen wie mir, die auf Blogs und in freien Medien wie FREIRAD ihre Meinung verbreiten, kann Schlimmes widerfahren:

176 Online-Aktivistinnen und Bürgerjournalistinnen sind weltweit in Haft, die meisten davon in China, Iran und Vietnam

und das sind nur diejenigen, von denen es bekannt ist.

Ich empfehle jedenfalls allen, die sich über das Thema weitergehend informieren wollen, die Seiten von Reporter ohne Grenzen3. Es gibt dort auch dieses Jahr wieder eine crowdfunded Fotobuch-Kampagne »Fotos für die Pressefreiheit 2015«,4 wo wieder international renommierte Fotografinnen und Journalistinnen ihre Bilder und Texte zum Thema Pressefreiheit ihre zur Verfügung stellen. Der Erlös der Bücher kommt der Menschenrechtsarbeit von Reporter ohne Grenzen zugute. Den Link, um so ein Buch zu bestellen, findet ihr leider nicht bei Reporter ohne Grenzen Deutschland, aber ich denke, die haben nichts dagegen, wenn ich ihn auf meiner Webseite zur Sendung auf hinterfragt.at veröffentliche.

Ich bleibe gleich auf der Seite von Reporter ohne Grenzen Deutschland, denn im Bereich Themen findet sich auch eine Seite, die ich gerne zitieren möchte:

(Zitat)5

Pressefreiheit – warum?

Informationen sind der erste Schritt zu Veränderungen – deshalb fürchten nicht nur autoritäre Regierungen eine freie und unabhängige Berichterstattung.

Wo Medien nicht über Unrecht, Machtmissbrauch oder Korruption berichten können, findet auch keine öffentliche Kontrolle statt, keine freie Meinungsbildung und kein friedlicher Ausgleich von Interessen.

Pressefreiheit ist die Basis einer demokratischen Gesellschaft.

Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten zu vertreten sowie Informationen und Ideen mit allen Kommunikationsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“ Artikel 19 der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ der Vereinten Nationen (Dezember 1948).

Wo nicht unabhängig berichtet werden darf und wo Menschen ihre Meinung nicht frei äußern können, werden auch andere Menschenrechte verletzt. Daher ist die Freiheit zu informieren und informiert zu werden stets auch ein zuverlässiger Gradmesser für die Achtung der universell gültigen Menschenrechte in einem Land.

Pressefreiheit ist Menschenrecht!

(Zitat Ende)

Soweit die Meinung eines Vereins, der sich für die Interessen einer Gruppe einsetzt. Ohne diesen Text im Detail zupflücken zu wollen, fällt natürlich auf, dass mehrere unzulässige Schlüsse drin sind. Denn nur weil es z.B. in manchen Ländern so ist, dass nicht nur die Meinungsfreiheit, sondern auch andere Menschenrechte ignioriert werden, bedeutet das nicht, dass das automatisch überall so ist.

Und, der Blick auf spektakuläre Vorfälle wie dokumentierte Festnahmen oder gar Exekutionen von Journalistinnen bis hin zu den Anschlägen in Paris ist wichtig und nötig, macht aber leider blind für etwas, das ich die Bedrohung der Pressefreiheit »von innen« nennen möchte:

Die Einschränkung der unabhängigen Berichterstattung durch »wirtschaftliche Interessen«. Über Unternehmen, die großzügig Inserate schalten, wird nicht schlecht berichtet. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist natürlich die des (ich nenne es mal) »Bildzeitungsjournalismus« bzw. das »Diktat der Einschaltquote«. Wir können alles drucken bzw. senden, was die Leute sehen wollen. Je reißerischer, desto besser. Recherchieren müssen wir das ja nicht. Und die Verleumdungsklagen können wir uns schon leisten, keine Sorge.

Der Ersatz der journalistischen Qualität durch Serienverdummung wächst natürlich auf dem selben kapitalistischen Mist wie die Beeinflussung durch Inserate oder sogar Parteispenden, damit sogar von oben über die Gesetzgeberin Journalismus manipuliert werden kann, wenn etwa Pressesubventionen nur mehr ab einer bestimmten Zahl von fest angestellten Mitarbeiterinnen vergeben werden. Was natürlich blöd ist, wenn eine Zeitung hauptsächlich »Freie« beschäftigt, weil sie sich nicht mehr leisten kann. Das geht in Österreich still und heimlich, das kriegen die wenigsten Menschen mit, da braucht es also gar keine spektakuläre Schließung mit Polizeigewalt wie in Ungarn. Und alles ist ganz legal, kommt ja vom Staat. Im Neoliberalismus ist es halt so, dass man zur Existenzberechtigung Geld verdienen muss, auch als Medium der Presse.

Wie sich dies in nächster Zeit durch den vermehrten Einsatz von Online-Medien auch durch die klassischen Medienunternehmen ändern wird, werden wir bereits in wenigen Jahren sehen. Im Internet scheint ja die Einschaltquote als Gradmesserin ausgedient zu haben. Die Blogs wachsen ja ohnedies seit Jahren aus dem Netz wie die Schwammerln, und auch wenn in den meisten Fällen deren Qualität hinterfragbar ist, wir erkennen, dass den Menschen nicht alles wurscht ist.

Jetzt kommt wieder ein wenig Musik, und danach einige Gedanken zu Charlie Hebdo und ganz allgemein zur Satire.

Musik:

Fortadelis: Homage 4:30

Teil 2: Einblick

Am Mittwoch, 7. Januar 2015 stürmten zwei schwer bewaffnete Männer die Redaktion des französischen Satiremagazins »Charlie Hebdo«. Der genaue Ablauf, zitiert aus der Frankfurter Allgemeinen:

»Um 11.20 Uhr dringen zwei maskierte Männer mit kugelsicheren Westen und Kalaschnikows im Gefolge einer Postbotin in das Gebäude Rue Nicolas Appert 6 in Paris ein, in dem sich das Redaktionsarchiv der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ befindet. Sie fragen nach „Charlie Hebdo“ und feuern zwei Schüsse ab.

Die Angreifer laufen weiter zum Sitz der Redaktion in der Rue Nicolas Appert 10. [Sie hatten also beim ersten Mal die falsche Hausnummer besucht, an welcher sich nur das Archiv der Zeitschrift befindet.Anm.] Vor der Tür treffen sie auf eine Zeichnerin von „Charlie Hebdo“. Nach Angaben der Zeichnerin geben sich die Angreifer als Mitglieder der Terrororganisation Al Qaida aus und zwingen sie, den Türcode einzugeben, um ins Gebäude zu gelangen.

Im Erdgeschoss eröffnen die Männer das Feuer und töten einen Pförtner. Sie eilen in den zweiten Stock, wo im Konferenzraum rund 15 Mitglieder der Redaktion und Gäste zur wöchentlichen Sitzung versammelt sind. Die Angreifer fragen nach dem Redaktionsleiter und Zeichner Stéphane Charbonnier und erschießen diesen. Anschließend feuern sie in den gesamten Raum und töten weitere sieben Mitarbeiter der Redaktion sowie einen Polizisten, der als Personenschützer Charbonniers eingesetzt war, und einen Gast. Einem Anwesenden gelingt es, telefonisch einen Freund zu alarmieren. Bei der Polizei geht ein Notruf ein.« (Zitat Ende)

Bei einem Thema wie diesem weiß mensch eigentlich gar nicht, wie anfangen. Zu viele verschiedene Gedanken, aber vor allem Emotionen, schwirren dir im Kopf herum. Zwischen Trauer und Wut soll eine Sendung entstehen, dabei ist noch nicht einmal das Thema richtig klar: soll es jetzt eher ganz allgemein um Pressefreiheit gehen, oder konkreter um die Frage: Was darf Satire?

Fallen Karikaturen eigentlich mehr in die Kategorie Journalismus oder in die Kategorie Kunst? Da kommt mensch dann auch gleich zu Fragen wie: Was ist Kunst, und was darf Kunst? Gut, hier will ich mal eine Grenze ziehen, um die Sendung nicht ausufern zu lassen. Bleiben wir beim Journalismus als Darstellung aktueller Ereignisse.

Leider ist es ja so, dass eine Sendung, eine Reportage, ein Bericht mit kurzer Vorlaufzeit – also »aus aktuellem Anlass« – meist die Schwäche aufweist, dass vieles nur bruchstückhaft wiedergegeben oder gar ganz ausgelassen wird – werden muss, sei es aus Unkenntnis aller Fakten, sei es einfach daher, weil die eigene, persönliche Einstellung zu einem Sachverhalt einfach vieles ausblendet, was im Moment oder überhaupt nicht wichtig erscheint. Und in der Kürze der Zeit ist es dann auch oft nicht möglich, Personen mit verschiedenen Standpunkten zu befragen, um eine abgerundete Sicht auf das Thema zu erhalten. Ich z.B. stütze mich in dieser Sendung primär auf Internet-Recherche, was an sich ja ein bereits durch Internet-Redaktionen gefiltertes Medium darstellt. Die Links zu den genannten Texten finden sich wie immer auf meiner begleitenden Website hinterfragt.at.

Eine weitere Frage: wie weit geht es hier auch um Religionsfreiheit? Charlie Hebdo hat ja vorwiegend deshalb für Aufsehen gesorgt, weil die Zeitschrift sehr gerne auch religiöse Themen satirisch betrachtet hat. Sehr gerne wurden Vorfälle in der römisch-katholischen Kirche aufs Korn genommen, aber eben auch muslimische Themen aufgegriffen. Hier lässt sich natürlich die Frage stellen, wieso es keine katholischen Freischärlerarmeen sind, die in den letzten Jahren weltweit Terror verbreiten, sondern immer nur islamistische. Oder handelt es sich in Wirklichkeit gar nicht um eine religiöse Frage, sondern etwas anderes? Dazu später mehr.

Auffällig ist für mich schon alleine durch diese Fragestellungen, dass Begriffe wie Journalismus oder Kunst, oder auch Pressefreiheit und Religionsfreiheit, aber auch so genannte »westliche Werte«, die »Früchte der Aufklärung«, ebenso schon an sich hinterfragt werden sollten wie die Auswirkungen ihrer Anwendung.

Auf der Seite von Reporter ohne Grenzen Deutschland gibt es ein Online-Kondolenzbuch6 in welches mensch sich eintragen konnte. Dieses wurde gedruckt der französischen Botschaft übergeben. Die Gedanken, die darin verewigt wurden, vor allem jene der ersten paar Tage nach dem Anschlag, sind Gedanken der Trauer und der Wut. Aus Zeitmangel kann ich sie nicht zitieren, doch vielleicht kurz analysieren, welche Überlegungen wir hier vorfinden.

Zunächst mal offenbar eine tiefe Anteilnahme und Solidarität mit den Opfern und Hinterbliebenen. Doch es handelt sich nicht um ein übliches Attentat, bei dem »nur« wahllos irgend welche »normalen« Menschen umkommen, und die Frage gestellt wird: »wieso?«

Es ist auch kein ein Anschlag, dem welchem ein Bus mit Schulkindern in die Luft fliegt und kein Amoklauf in einer Schule. Bei solchen Vorfällen wird die »wieso?«-Frage meist gefolgt von der Frage »wieso gerade (diese)Kinder?«.

Nein, beim »Pariser Attentat«, wie es mittlerweile genannt wird, drängen sich, im Gegensatz zu den vorhin genannten Verbrechen, noch weitere Gedanken in den Vordergrund: für viele Menschen handelt es sich um einen Anschlag auf die Presse- und Meinungsfreiheit, auf die Demokratie, ja sogar auf die »westliche Welt«, die »westliche Kultur« als Gesamtheit.

Denn unabhängig davon, ob jemandem jetzt diese speziellen Karikaturen gefallen oder nicht, die Frage: »Was darf Karikatur? Was darf Satire?« wird hier unweigerlich gestellt. Jetzt geistert in diesem Zusammenhang immer ein Zitat7 von Kurt Tucholsky aus dem Jahre 1919 im Web herum: »Was darf Satire? Alles.«. Meist undiskutiert, weil ein bekannter Name dahinter steht, der sowieso immer für alles, was mit Satire zu tun hat, heran gezogen wird. Meist aber nur in bruchstückhaften Ein-Sätzchen-Zitaten wie dem vorhin genannten.

Hier also ein wenig mehr aus dem Text, von welchem das Zitätchen stammt: Tucholsy schreibt also unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel im Berliner Tageblatt Nr. 36, 27. Januar 1919 über die Satire folgendes [Hervorhebungen von mir]:

»Wenn einer bei uns einen guten Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.

Satire scheint eine durchaus negative Sache. Sie sagt: »Nein!« Eine Satire, die zur Zeichnung einer Kriegsanleihe auffordert, ist keine. Die Satire beisst, lacht, pfeift und trommelt die große, bunte Landsknechtstrommel gegen alles, was stockt und träge ist. Satire ist eine durchaus positive Sache. Nirgends verrät sich der Charakterlose schneller als hier, nirgends zeigt sich fixer, was ein gewissenloser Hanswurst ist, einer, der heute den angreift und morgen den. Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: Er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an.

Die Satire eines charaktervollen Künstlers, der um des Guten willen kämpft, verdient also nicht diese bürgerliche Nichtachtung und das empörte Fauchen, mit dem hierzulande diese Kunst abgetan wird.

Vor allem macht der Deutsche einen Fehler: Er verwechselt das Dargestellte mit dem Darstellenden. Wenn ich die Folgen der Trunksucht aufzeigen will, also dieses Laster bekämpfe, so kann ich das nicht mit frommen Bibelsprüchen, sondern ich werde es am wirksamsten durch die packende Darstellung eines Mannes tun, der hoffnungslos betrunken ist. Ich hebe den Vorhang auf, der schonend über die Fäulnis gebreitet war, und sage: »Seht!« – In Deutschland nennt man dergleichen »Krassheit«.

[…]

Übertreibt die Satire? Die Satire muss übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird, und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten.

Aber nun sitzt zutiefst im Deutschen die leidige Angewohnheit, nicht in Individuen, sondern in Ständen, in Korporationen zu denken und aufzutreten, und wehe, wenn du einer dieser zu nahe trittst. Warum sind unsere Witzblätter, unsere Lustspiele, unsere Komödien und unsere Filme so mager? Weil keiner wagt, dem dicken Kraken an den Leib zu gehen, der das ganze Land bedrückt und dahockt: fett, faul und lebenstötend.

Wir sollten nicht so kleinlich sein. Wir alle – Volksschullehrer und Kaufleute und Professoren und Redakteure und Musiker und Ärzte und Beamte und Frauen und Volksbeauftragte – wir alle haben Fehler und komische Seiten und kleine und große Schwächen. Und wir müssen nun nicht immer gleich aufbegehren […], wenn einer wirklich einmal einen guten Witz über uns reißt. Boshaft kann er sein, aber ehrlich soll er sein.

[…]

Was darf die Satire?

Alles.« (Zitat Ende)

Und auch wenn Tucholsky in seiner Beschreibung anscheinend nur »die Deutschen« analysiert, denke ich, dass hier allerlei andere Nationalitäten, Parteien, Religionen und sonstige künstlich geschaffene Kategorien und Befindlichkeiten eingesetzt werden können, die es allen ihren Systemkritikerinnen schwer machen, egal ob sie Charlie Hebdo oder Der Postillon, oder Charlie Chaplin mit seinem großartigen Film »The Great Dictator«,8 Gerhard Haderer, Stermann und Grissemann, Salman Rushdie oder sonstwie heißen.

Musik:

Maya Filipić: Stories From Emona I 3:30

Zwischenmoderation

Für alle, die sich erst später zugeschaltet haben:

Hier ist „hinterfragt„, das kulturwissenschaftliche Magazin live auf FREIRAD, dem freien Radio in Tirol! Mein Name ist Ewald Strohmar-Mauler.

Das heutige Thema ist

Was soll die Presse dürfen?

Bisher habe ich mir einige allgemeine Gedanken zum Thema Pressefreiheit gemacht und ein wenig über das Attentat in Paris im Januar 2015 und zur Satire gemacht.

Nun geht es weiter mit Satire aus journalistischer Sicht und meinen abschließenden Gedanken, was die Presse nun wirklich dürfen soll.

Teil 3: Seitenblick

Über die Grenzen der Satire im Fernsehen hat Jesko Friedrich, Macher der NDR Satire-Sendung Extra 3 einen interessanten Artikel veröffentlicht,9 wie nicht anders zu erwarten, ebenfalls mit dem Titel: Was darf Satire? Illustriert mit praktischen Beispielen spricht er darüber, dass jeder satirische Beitrag einen »Feind« haben muss, bzw sich die Frage zu stellen hat: »Wer ist verantwortlich für einen (veränderbaren) schlechten Zustand?«

Und diese Suche nach dem Feind unterliegt gewissen Regeln. Zitat:

»Grundsätzlich gilt: Jeder hat das Recht auf satirische Kritik. Christen, Juden, Moslems, Behinderte und Behindernde, Frauen, Männer, Intersexuelle – sie alle taugen zum Feind, wenn sie ein entsprechendes Fehlverhalten an den Tag legen.

Feind-Probleme, die in meinem Alltag bei extra 3 immer wieder auftreten, sind zum Beispiel:

a) angeblicher Feind hat bei genauerem Hinsehen Recht

b) es gibt mehrere Feinde

c) der Feind hat einen zu niedrigen Status« (Zitat Ende)

Ein Feind, der eh Recht hat, taugt klarerweise nicht zur Satire, bei mehreren Feinden (etwa im Palästina-Konflikt) verläuft sich die Argumentation leicht, und der Feind mit dem »niedrigen Status« wäre etwa ein »armes Würstchen«, das bloßgestellt würde. Jesko Friedrich hierzu »Satire tritt nicht nach unten.«

Soweit zumindest die Theorie beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Bei Privatsendern sieht es ja hier ein wenig anders aus: gerade populäre Sendungen wie jene von Stefan Raab sind wohl genau deshalb so populär: die armen Würstchen vor der Glotze weiden sich daran, dass noch ärmere Würstchen fertig gemacht werden.

Hier sind die Grenzen zwischen guter und ekelhafter Satire leider schnell überschritten. Nicht jeder Naziwitz ist ein guter, aber gerade diese sind im deutschen Fernsehen immer wieder präsent. Vermutlich auch eine Art der Vergangenheitsbewältigung.

Doch wieder zur Gegenwart:

Wer waren eigentlich die Verantwortlichen für das Massaker in der Redaktion von Charlie Hebdo? Die beiden Brüder, die den Anschlag verübt haben, sind um die 30 Jahre alt, und zwar algerischer Abstammung, aber in Frankreich geboren und aufgewachsen. Und wie viele andere junge Menschen, von denen so berichtet wird, dass sie mit Islamisten, Jihadisten oder anderen autoritären Isten sympathisieren, kommen sie aus einer Familie, in welcher keine nennenswerten religiösen oder sonstigen Wertvorstellungen rigide praktiziert werden. Also in diesem Fall: zwar muslimisch aufgewachsen, aber nicht besonders. Die Attentäter waren aber keine frustrierten jungen Männer mit zu viel Tagesfreizeit, waren sie doch gezielt vorgegangen: schließlich hatten sie über Tag und Uhrzeit der wöchentlichen Redaktionskonferenz Bescheid gewusst, die eigentlich, ebenso wie der Sitz der Redaktion, geheim gehalten worden war.

Also doch Mitglieder einer Terrorzelle?

Ist es wirklich so, wie immer öfter behauptet wird, dass sich Jugendliche, und nicht nur muslimisch erzogene, die von ihren mangelnden Zukunftsaussichten in der kapitalistischen, auf individuellen Erfolg aufgebauten »westlichen Welt« unbehaglich fühlen und sich zu einer autoritären Religion hingezogen fühlen und sich in Scharen bei islamistischen Kampftruppen einschreiben? Hierzu habe ich neulich einen aktuellen Artikel des umstrittenen Zeithistorikers Ernst Nolte10 gefunden, in welchem zu lesen ist:

»Bisher ist keine islamische Bewegung so stark und so entschlossen gewesen wie der »Islamische Staat« im Irak und in Syrien, der das umfassende »Kalifat« wiedererrichten und selbst die grausamsten Gebote des Korans ernsthaft in die Praxis umsetzen will. Wie in den Zeitungen zu lesen ist, haben sich schon an die 15.000 »Westmenschen« als Kämpfer unter seine Fahnen gestellt, und dadurch ist eine altbekannte Auffassung wieder aktuell geworden, wonach gerade die jüngsten und beweglichsten Menschen mit dem bequemen Leben, das ihnen ihre Erzieher und Lehrer von gestern anbieten, nicht zufrieden sind, sondern den Gehorsam gegenüber einer nicht bloß menschlichen Autorität und damit auch das »Sterben für eine große Sache« höher schätzen.

So könnte sich die Situation der Zwischenkriegszeit auf gewiss sehr veränderte Weise wiederherstellen: Eine bedeutende, aber bis gestern noch als antiquiert geltende Ideologie breitet sich mehr und mehr aus und gewinnt mehr und mehr an Zustimmung unter den »guten Massen«, so wie dies weithin dem Kommunismus gelang, dessen »Ferne von der europäischen Kultur« noch als entscheidender Gegen-Gesichtspunkt für seine radikalen Feinde galt, die indessen selbst unter dem Druck seiner Gegner eine vergleichbare Richtung einschlugen …« (Zitat Ende)

Nolte hat in den 1980ern mit seinen Thesen zur Entstehung des Nationalsozialismus den sogenannten Historikerstreit ausgelöst und scheint auch als Analytiker der islamischen Verhältnisse als Reaktion auf ein Gefühl der Zurückgebliebenheit gegenüber der westlichen Welt ähnlich wirken zu wollen. Ich will das jetzt nicht näher kommentieren, ich denke aber, Nolte gibt eine vor allem in rechten Kreisen verbreitete Ansicht wieder. Handelt es sich also um eine weit verbreitete Sehnsucht nach den immer wieder herauf beschworenen »Werten«, nach »Stabilität«? Und: kann sowas nur eine autoritäre Religion bieten? Sind alle anderen Institutionen zu schwach, zu zahnlos geworden?

Oder sollte etwa die westliche Kultur, die Errungenschaften von Aufklärung und industrieller Revolution, also all jene schönen Dinge, mit denen wir uns umgeben, ihren Reiz verloren haben? Ist die vormoderne Unterwerfung unter einen Gott und sein Buch doch ansprechender als die Einkaufstempel? Beide leben doch von Versprechungen: die monotheistische Religion verspricht ein wundervolles Leben nach dem Tod, die Welt der Konsumverlockungen schon vorher. Was nach dem Tod wirklich sein wird, wissen wir nicht, über die Früchte des Kapitalismus wissen wir aber Bescheid – sie sind nicht immer erreichbar, vor allem nicht für Menschen ohne ausreichendes Einkommen. Insofern finde ich ja die Versuche der Rechten, die ständig vor der drohenden Islamisierung Europas warnen und rigide Maßnahmen wie jetzt sogar schon Marine Le Pen öffentlich die Todesstrafe fordern, genauso sinnlos wie derartige Strafen im Allgemeinen eben sind. Sie schrecken nicht ab, sondern heizen die Diskussion nur noch mehr an.

Es ist ja nicht der Islam an sich, welcher solche Auswüchse hervor bringt, sondern autoritäre, radikale Gruppierungen mit politischem eher als religiösem Hintergrund. Dass solche Vereine vor allem Jugendliche in prekären wirtschaftlichen Situationen, aber auch andere hoffnungslose Postkartenmaler anziehen, wissen wir spätestens seit den 1930er Jahren.

Und, wenn schon Religion, muss es ja auch gar nicht der Islam sein: Über Jesus oder den Papst wird sich ja sogar noch mehr lustig gemacht als über Mohammed. Ich denke, wenn das Opus Dei junge Männer mit Maschinenpistolen ausstatten würde, hätten die auch enormen Zuspruch. Doch wenn man Dam Brown Glauben schenken will, arbeiten die ja viel subtiler…

Doch ein ganz anderes Wort wurde noch nicht angesprochen: Blasphemie. Das ist ja ein absolutes Totschläger-Wort, damit kann alles und jedes verhindert werden. »Herabwürdigung religiöser Lehren« heißt das im österreichischen Strafgesetzbuch. Paragraph 188.

»Wer öffentlich eine Person oder eine Sache, die den Gegenstand der Verehrung einer im Inland bestehenden Kirche oder Religionsgesellschaft bildet, oder eine Glaubenslehre, einen gesetzlich zulässigen Brauch oder eine gesetzlich zulässige Einrichtung einer solchen Kirche oder Religionsgesellschaft unter Umständen herabwürdigt oder verspottet, unter denen sein Verhalten geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.«

Hervor zu heben ist hier vor allem der »gesetzlich zulässige Brauch«. Theoretisch darfst du also nicht mal den Krampus oder die Schützen verspotten.

Die Frage ist hier, ob das »berechtigte Ärgernis« heute noch das gleiche ist, als jenes, welches vor hundert Jahren Tucholskys Deutsche am Sofa »übel genommen« hatten. Haderers Jesus-Buch bekommst du bei uns heute in jeder Buchhandlung.

Die Reporter ohne Grenzen haben eine interessante Weltkarte11 und einen Report zum Thema Bestrafung von Blasphemie als einen Tatbestand, welcher durch ein Konzept der »Heiligkeit« die Verbreitung von Information verhindert. In vielen Ländern herrscht eine »doppelzüngige Legislatur«, nämlich in jenen, welche keine echte Trennung von Staat und Religion vollzogen haben. Und ich zähle hier auch Österreich dazu, denn so lange noch Kreuze in den Klassenzimmern zu finden sind, in der Unterrichtszeit Gottesdienste abgehalten werden und Religionsunterricht in den Schulen stattfindet, kontrolliert die Kirche unsere Kinder. Und solange der Staat sich vorbehält, Gemeinschaften als Religionen anzuerkennen und diesen Förderungen zuzusprechen, ist er nicht säkular.

Und so lange wird es auch Verbrecher geben, die religiöse Lehren herab würdigen, in Gedanken, Worten und Werken.

Musik:

Triplexity: Invited 6:59

Teil 4: Ausblick

Insgesamt zeichnet sich also, wie ich finde, ein interessantes Bild ab. Mensch erkennt, dass es wieder mal die eh immer gleichen historisch gewachsenen Strukturen sind, die sich zusammen rotten, um die Pressefreiheit, die Meinungsfreiheit und, wenn wir Pech haben, auch noch einige andere Freiheiten zu beschränken. Mal mehr, mal weniger. Je nachdem, wie offensichtlich es ist und wieviel sich die Menschen gefallen lassen.

Hier in Österreich ist es ja so, dass vieles, was so passiert, von der Mehrheit der Leute entweder gar nicht wahr genommen oder bewusst ignoriert wird… bis es eine dann persönlich betrifft.

Wenn Mohammed karikiert wird, betrifft das nur Musliminnen, und wenn Jesus karikiert wird, nur Christinnen. Die typische österreichische Taufscheinkatholikin macht sich da nichts draus. Und diese Zeichner da in Paris? Selber schuld, was zeichnens denn nix Gscheits?

Wenn eine Zeitung eingestellt wird, die mensch selbst nicht liest – egal. Außerdem: Zeitung lesen? Ich schau mir eh nur die Nackerte auf Seite fünf und den Sportteil an.

Es ist ja so, dass man solche selbstverständlichen Dinge erst bemerkt, wenn sie weg sind. Stellt euch vor, es gibt keine Zeitungen mehr… und ich meine damit nicht nur die gedruckten, sondern auch die Online-Ausgaben.

Oder, fast ebenso schlimm, es gibt nur mehr eine einzige Zeitung, das Mitteilungsblatt der Einheits-Partei. Gleichgültig, ob rechts oder links.

Das gab es ja bereits mehrfach in der Geschichte.

Neu wäre allerdings die Variante: alle Zeitungen und deren Inhalte werden von einem riesigen Medienkonzern gesteuert. Dieser macht dann auch das gesamte Radio- und Fernsehprogramm. Ach ja, das Internet gehört ihm auch.

Ach so, das Internet kann niemandem gehören? Ich wäre mir da nicht so sicher.

Aber, damit das nicht so bald geschieht, sind wir alle aufgerufen, unsere Stimmen zu erheben gehen die Nivellierung der journalistischen Qualität, gegen alle Einschränkungen der Pressefreiheit, auch die neoliberal-kapitalistischen, und gegen alles und alle, die uns unseren freien Willen aberkennen, die uns steuern und durch mediale Manipulation an der Nase herumführen wollen.

Abschließen möchte ich diese Sendung mit den Worten, die ich selbst ins Online-Kondolenzbuch von Reporter ohne Grenzen für die Opfer des Charlie Hebdo-Attentats geschrieben habe. Ich habe sie bewusst offen verfasst, da ich diesen Vorfall stellvertretend für alle jene Journalistinnen, also alle Redakteurinnen, Reporterinnen, Fotografinnen, Zeichnerinnen, Medienassistentinnen, Online—Aktivistinnen und Bürgerjournalistinnen, ansehe, die im Zuge ihrer beruflichen Tätigkeit ihr Leben lassen mussten.

Ich vermisse die Geschichten, die nie mehr geschrieben werden.

Ich vermisse die Bilder, die nie mehr gezeichnet werden.

Ich vermisse die Ideen, die der Welt verloren gehen.

Ich vermisse die Gedanken, die nicht mehr zu Ende gedacht werden.

Ich vermisse die Menschen, die dies alles möglich gemacht haben und nun nicht mehr unter uns sind.

Musik:

Nelson Jenstad: Missing Someone 4:09

Abmoderation

So, aber nun genug hinterfragt für heute. Ich danke euch herzlich fürs Zuhören und hoffe, die Sendung hat euch wieder gefallen.

Und nochmals der Hinweis auf die Internet-Seiten zur Sendung:

Kritik, sowohl negative als auch positive, Wünsche und Anregungen könnt ihr gerne an mich per eMail senden: radio@hinterfragt.at.

Und wer die Sendung nachlesen möchte: die begleitende Website ist zu finden unter hinterfragt.at, dort findet ihr auch alle Links, oder könnt Kommentare zur Sendung abgeben. Außerdem könnt ihr mir auch auf Twitter folgen @hinterfragtAT oder auf Facebook unter hinterfragt.

Das war Ewald Strohmar-Mauler mit der Sendung hinterfragt. Das kulturwissenschaftliche Magazin.

… immer am zweiten Dienstag im Monat um 20 Uhr auf FREIRAD, dem Freien Radio Innsbruck, und die Wiederholung am 4. Donnerstag um 9 Uhr Vormittag.

Und nun verabschiede ich mich und wünsche euch noch eine gute Zeit.

Abspannmusik

Racoon Fink: Pointilize 6:39

Sendung anhören

1 https://www.reporter-ohne-grenzen.de/jahresbilanz/2014/

2 https://www.reporter-ohne-grenzen.de/barometer/2015/journalisten-getoetet/

3 http://www.reporter-ohne-grenzen.de

4 https://www.startnext.com//pressefreiheit2015

5 https://www.reporter-ohne-grenzen.de/themen/pressefreiheit-warum/

6 https://www.reporter-ohne-grenzen.de/mitmachen/wir-sind-charlie/

7 https://www.ph-ludwigsburg.de/html/2b-dtsc-s-01/tucholsky/texte/satire.doc

8 http://www.charliechaplin.com/en/synopsis/articles/29-The-Great-Dictator-s-Speech

9 http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/wir_ueber_uns/wasdarfsatire100_page-1.html

10 http://www.tumult-magazine.net/s/TUMULT_Der-Islam-So-oder-so.pdf

11 http://rsf.org/religions/en.php